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Soziologie praktisch Dortmunder Polizeikurse treffen Obdachloseninitiative „bodo e.V.“

Von Christoph Koerdt Lehrende Dortmund Studierende
© Sebastian Sellhorst / im Auftrag von bodo e.V.

Zoom-Gespräch im Rahmen der Themenwoche Exklusion, Armut und soziale Ungleichheit

Soziale Ungleichheit und Exklusion: Was ist das und warum betrifft mich das in meiner späteren Arbeit als Polizistin oder Polizist? Diese Frage stand bereits im Jahr 2019 für Studierende eines Polizeikurses am Dortmunder Studienort der HSPV NRW im Fach Soziologie zur Debatte. Bereits damals konnte Dozent Christoph Koerdt die Dortmunder Obdachloseninitiative von „bodo e.V.“ für eine soziale Stadtführung gewinnen. Aufgrund der anhaltenden Pandemie war das diesmal nicht möglich, stattdessen kamen Vertreterinnen und Vertreter der Obdachloseninitiative zu den Studierenden von gleich zwei Kursen in die virtuelle Lehre via Zoom.

Alexandra Gehrhardt und Bastian Pütter sind für die Redaktion des Straßenmagazins verantwortlich und standen jeweils den beiden Kursen DO P20/04 und P20/05 Rede und Antwort zum Thema Armut. Neben dem in Dortmund und Bochum bekannten, von Obdachlosen in Eigenregie mitproduzierten und von über 100 Verkäufern verteilten Straßenmagazin kümmert sich "bodo" als Lobbyverein um die Rechte von sozial Hilfebedürftigen, indem er „Chancen schafft“, Nothilfe und eben auch Stadtführungen der anderen Art anbietet.

„Wie wird man eigentlich obdachlos?“, lautete dann auch die erste Frage aus den Reihen der angehenden Polizistinnen und Polizisten. Die meisten Obdachlosen hätten „Krisensituationen und Scheitern erlebt“, so Alexandra Gehrhardt. Männer seien hier signifikant häufiger betroffen, weibliche Obdachlosigkeit finde hingegen häufiger verdeckt statt und kann sexuelle Übergriffe bedeuten. Auch Gewalt werde häufig erlebt, ob verbal oder auch körperlich. Die soziale Ausgrenzung durch die Gesellschaft wird hier besonders sichtbar. Exklusion ist neben dem Thema Armut ein weiterer Schwerpunkt in der Lehre der Soziologie bei Dozent Christoph Koerdt. Umso wichtiger ist die Sensibilisierung der Polizistinnen und Polizisten, wenn diese in ihrem späteren Berufsalltag Armut im wahrsten Sinne des Wortes „auf der Straße“ begegnen. Von den Obdachlosen wird die Rolle der Polizei eher ambivalent gesehen: „Entweder Freund und Helfer oder Feindbild“, die Skepsis gegenüber Behörden sei oft groß, stellt Gehrhardt fest. Und in Zeiten von Corona? Alle Einrichtungen sind seit März 2020 geschlossen, damit „eine komplette Infrastruktur und Armutsökonomie weggebrochen“, sagt Bastian Pütter. Öffentliche Toiletten sind geschlossen, Behördengänge nicht möglich, Betteln und Pfandsammeln kaum einträglich. Stattdessen erleben die Obdachlosen mehr Repression, erteilte Bußgelder für Nichteinhalten des Abstands wurden auch öffentlich kritisiert. Ein großes Zelt am "Dortmunder U" soll im Winter eine geschützte Anlaufstelle bieten. Pütter betont eindringlich die Prävention und die Bedeutung der Hilfsangebote in dieser Zeit. Die beiden Redakteure freuten sich über die Einladung zu den von den Studierenden Franziska Braß und Jean-Christian Pfeifer sowie Melina Lück und Hendrik Wenzel moderierten Gespräche gefreut. Ihre Botschaft an die Polizeianwärterinnen und -anwärter für ihren späteren Dienst: „Die Lebensrealität von Obdachlosen ist fundamental anders, deshalb sollte man die Perspektive wechseln, zugewandt auftreten und Maßnahmen erklären. Einfach ansprechen, reden hilft!“

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