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VeranstaltungsberichtMythos „Lone Wolf Terrorism“?

Das Institut für Polizei- und Kriminalwissenschaften der HSPV NRW veranstaltete am 17. März 2021 ein Online-Symposium zum Thema „Mythos Lone Wolf Terrorismus?“

Digitale Radikalisierung und scheinbar autonom agierende Einzeltäter stellen eine große Herausforderung für die Sicherheitsbehörden dar. Festzustellen ist, dass rechtsmotivierte Anschläge eher selten miteinander in Verbindung gebracht und als Teil eines größeren (digitalen) Phänomens beschrieben werden. Die (fehlende) Einordnung von Taten als politisch beziehungsweise terroristisch motiviert, ist somit hoch umstritten. In der Folge sehen sich Sicherheitsbehörden dem Vorwurf der Pathologisierung und Entpolitisierung rechtsmotivierter Taten ausgesetzt.

Vor diesem Hintergrund diskutierten 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Wissenschaft und Praxis über den Mythos und die Herausforderungen des Terrors rechter Einzeltäter für Sicherheitsbehörden. Zu den Akteuren zählten Professoren verschiedener Hochschulen sowie Ermittler aus Staatsschutzdienststellen und des Landeskriminalamtes. Martin Bornträger, Präsident der HSPV NRW, eröffnete die Veranstaltung und setzte die Aktualität der Thematik in einen Bezug zur Hochschullehre.

Aus Tallin zugeschaltet war Dr. Florian Hartleb, Forscher, Publizist und Politikberater, der die These des einsamen Wolfes, mit Blick auf den Modus Operandi, verteidigte. Andererseits zeigte er auch die digitale Vernetzung am Beispiel rechter Online-Subkulturen auf und analysierte sowohl Schwierigkeiten als auch Möglichkeiten einer präventiven Sicherheitsarbeit, gerade angesichts einer zu beobachtenden Gamification des Terrors, die er plakativ als DIY-Terrorismus skizzierte.

Prof. Christoph Kopke von der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin fokussierte sich hingegen auf originäre Konzepte des Rechtsterrorismus und stellte sie heutigen Strukturen und Gruppierungen gegenüber. Radikalisierung erfolge stets im Diskurs, stellte Kopke fest und ordnete auch Verschwörungstheorien in historische und gegenwärtige Kontexte ein.

Dr. Dolapo Fakuade, Beraterin von NGOs und Sicherheitsbehörden im Bereich Krisenmanagement, war aus New York zugeschaltet. Sie referierte über das rechtsmotivierte Christchurch-Attentat, das sich in ihrer Heimat Neuseeland ereignet hatte, und rundete die von Dr. Hartleb aufgegriffenen Befunde zur Digitalisierung des rechten Terrors mit wissenschaftlichen Ergebnissen aus den USA zu dieser Thematik ab.

Link hinterlegtIPK Working Paper | Nr. 6 | Juli 2021
Prof. Dr. Vanessa Salzmann 

Digitale Radikalisierung und anscheinend autonom agierende Einzeltäter bedrohen die innere Sicherheit, gesellschaftliche Minderheiten und in der Öffentlichkeit stehende Personen. Beispiele hierfür sind die Taten von Anders Breivik in Norwegen (2011), David Sonboly in München (2016) und Brenton Tarrant in Christchurch/Neuseeland (2019) sowie jüngst die Morde von Stephan Balliet in Halle.

Im März 2021 fand an der Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung ein Symposium des Instituts für Polizei- und Kriminalwissenschaften statt. Die Veranstaltung zielte darauf ab, zur Erforschung des gegenwärtigen Rechtsterrorismus beizutragen und stellte dazu die These des „Einsamen Wolfes" der digitalen Vernetzung des Terrors gegenüber.
Mythos Lone Wolf Terrorism? Digitale Radikalisierung autonom agierender Einzeltäter.

Weitere Informationen können Sie dem beigefügten Working Paper des Instituts für Polizei- und Kriminalwissenschaften (IPK) entnehmen.

Die Datei steht zusätzlich auf den Seiten des IPK als Download zur Verfügung.