Smarte Leader für Smart CitiesBürgermeistersymposium 2026

Metadaten
Aufmahme des Veranstaltungsraums in Duisburg plus Podium.
Das Symposium fand zum zweiten Mal am Studienort Duisburg statt
Teilen
Social Sharing mit Shariff Für das Teilen von Artikeln nutzen wir Shariff. Shariff stellt Social-Media-Buttons datenschutzkonform bereit, ohne beim Laden der Seite Daten an externe Plattformen (z. B. Facebook, X, LinkedIn) zu übertragen.

Wissenschaftlicher Nachbericht zur Veranstaltung am 24. März 2026 am Studienort Duisburg

„Das war die beste Veranstaltung bisher im Studium.“ Diese Stimme aus dem World-Café steht exemplarisch für die Wirkung des Formats: zwischen Verantwortung, Inspiration und der konkreten Frage, selbst kommunale Führung zu übernehmen.

Einordnung und Zielsetzung

Das zweite Bürgermeistersymposium der HSPV NRW hat am 24. März 2026 eindrucksvoll verdeutlicht, welche zentrale Bedeutung kommunale Führung für die Funktionsfähigkeit der lokalen Demokratie besitzt. Als wissenschaftlicher Leiter und Gesamtmoderator durfte Johannes C. Mayer, Lehrender der HSPV NRW am Studienort Herne, gemeinsam mit rund 230 Teilnehmenden – darunter etwa 170 Studierende des Bachelor of Laws – ein Format erleben, das Praxis, wissenschaftliche Fundierung und neue Perspektiven in besonderer Weise miteinander verbindet. Allein ca. 140 Studierende aus Mayers Kursen im Kommunalrecht, Einstellungsjahrgang (EJ) 2025, und im WPF Kommunale Selbstverwaltung (EJ 2023) am Studienort Herne aus den Städten Bottrop, Bochum, Castrop-Rauxel, Dorsten, Essen und Gladbeck sowie aus dem Kreis Recklinghausen nahmen an dem Format teil.

Besonders hervorzuheben ist die aktive Beteiligung der Studierenden in der Vorbereitung (zum Beispiel Erstellung von fundierten Bürgermeisterportraits, Design der Fragen) und beim Ablauf des Symposiums (studentische Moderatorinnen, Interviews mit Smartmikros jeweils EJ 2025 Stadt Essen).

Bemerkenswert war die Zusammensetzung der kommunalen Praxis: Mit Sören Link (Duisburg), Erik Lierenfeld (Dormagen), Antje Hachmann (Runkel) und Hendrik Henneböhl (Erwitte) waren gleich vier HSPV-Alumni aus NRW vertreten. Zugleich nahmen mit Christoph Herre (Walheim, Baden-Württemberg) und Patrick Albrecht (Gößnitz, Thüringen) zwei besonders junge Bürgermeister mit Ausbildungshintergrund an Hochschulen des öffentlichen Dienstes teil. Die dynamischen und etablierten kommunalen Führungskräfte mit Background an der Deutschen Universität für Verwaltungswissenschaften – Bürgermeister Dennis Eberle (Salach, Baden-Württemberg) und Philipp Stolz (Reichenau, Baden-Württemberg) – komplettierten das Feld an jüngeren Vorbildern.

Kommunalwahlen NRW als Ausgangspunkt

Den Auftakt bildete ein prägnanter Rückblick auf die Kommunalwahlen 2025 durch Andreas Wohland. Die Analyse zeigte deutlich: Kommunale Führung bewegt sich im Spannungsfeld zwischen steigender Komplexität, wachsender Erwartungshaltung der Bürgerschaft und strukturellen Herausforderungen. Besonders hervorgehoben wurden die spannenden Stichwahlen und auch eine Tendenz zu parteilosen Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern.

Nachwuchs-Bürgermeister als Role Models

Im Warm-up diskutierten Antje Hachmann, Hendrik Henneböhl, Philipp Stolz, Christoph Herre, Patrick Albrecht und Dennis Eberle ihre Perspektiven auf moderne kommunale Führung. Sie stehen exemplarisch für eine neue Generation: digital-affin, nahbar und zugleich klar in Entscheidungsprozessen. Als Role Models für die Generationen Y und Alpha leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Stärkung des Vertrauens in demokratische Institutionen und zeigen konkrete Karriereperspektiven für Absolventinnen und Absolventen der Hochschulen des öffentlichen Dienstes auf.

Fachlicher Diskurs und Impulsvorträge

Die Impulsvorträge boten eine fundierte Analyse zentraler Themenfelder: Digitalisierung kommunaler Prozesse einschließlich KI-gestützter Beschlussvorlagen und Sitzungsdienste, Schutz kommunaler Beschäftigter und Mandatsträger, rechtliche Anforderungen an Öffentlichkeitsarbeit sowie die schonungslose Analyse der kommunalen Haushaltslage in Nordrhein-Westfalen.

Deutlich wurde, dass trotz eines teilweise versöhnlichen Fazits erhebliche gemeinsame Anstrengungen erforderlich sind, um die kommunale Handlungsfähigkeit langfristig zu sichern. Die Impulsvorträge verdeutlichten die zentralen Handlungsfelder moderner kommunaler Führung und zeigten die Notwendigkeit einer präzisen Balance zwischen Recht, Innovation und Praxis.

Im Einzelnen:

  • Dr. Frank Dudda (Oberbürgermeister Herne) stellte die Rolle von Wissenschaft als strategischen Treiber moderner Stadtentwicklung heraus und betonte die Verzahnung von kommunaler Praxis und wissenschaftlicher Expertise. Zugleich verdeutlichte er als Vorsitzender der Verbandsversammlung des Regionalverbandes Ruhr die Bedeutung und Wirtschaftskraft des Ruhrgebietes als Metropole mit einer Bevölkerung von ca. fünf Millionen.
     
  • Dr. Dominique Köppen (Deutscher Städtetag / Städtetag NRW) zeichnete eine schonungslose Analyse der kommunalen Haushaltslage in Nordrhein-Westfalen und stellte die Frage, ob kommunale Führung künftig primär Mangelverwaltung bedeutet – verbunden mit einem vorsichtig versöhnlichen Ausblick bei gleichzeitiger Betonung erheblicher Konsolidierungsbedarfe.
     
  • André Niewöhner (Polizei NRW, Präventionsnetzwerk #sicherimdienst) beleuchtete den Schutz kommunaler Beschäftigter und Mandatsträger als zentrale Zukunftsaufgabe und zeigte konkrete Präventions- und Schutzansätze auf.
     
  • Prof. Dr. Frank Bätge (HSPV NRW) führte in die Digitalisierung kommunaler Sitzungsdienste ein und thematisierte insbesondere die Potenziale und Grenzen KI-gestützter Beschlussvorlagen und Niederschriften.
     
  • Prof. Dr. Jan Seybold (Niedersächsisches Studieninstitut / NSI) ergänzte dies um die Perspektive von digitalen Ratssitzungen nach niedersächsischem Kommunalrecht und zeigte Unterschiede sowie Entwicklungspotenziale im Ländervergleich auf.
     
  • Cornelius Wiesner (HSPV NRW) analysierte die kommunale Öffentlichkeitsarbeit im Kontext digitaler Plattformen und betonte die rechtlichen Anforderungen des Neutralitäts- und Sachlichkeitsgebots.
  • Johannes C. Mayer am Rednerpult während der Veranstaltung.
    Johannes C. Mayer
  • Mehrere Teilnehmende sitzen während der Podiumsdiskussion nebeneinander auf der Bühne.
    Zeit für intensiven Austausch
  • Gruppenfoto der Teilnehmenden.
    Teilnehmende des Symposiums
  • Prof. Dr. Frank Bätge am Rednerpult.
    Prof. Dr. Frank Bätge
  • Aufnahme von Cornelius Wiesner wähend der Veranstaltung.
    Cornelius Wiesner
  • Mehrere Menschen sitzen auf der Bühne nebeneinander während der Podiumsdiskussion.
    Podiumsdiskussion

Kommunale Spitzen im Dialog

Das Hauptpodium vereinte Miriam Scherff, Sören Link, Ali Doğan, Felix Heinrichs, Reiner Breuer und Erik Lierenfeld. Im Mittelpunkt standen gemeinsame Herausforderungen wie Schule, Kita, Sicherheit und Bürgerbeteiligung. Neben vorbereiteten spezifischen Fragen zu den einzelnen Vortragenden wurden von der studentischen Moderatorin und Johannes C. Mayer auch Fragen des Publikums aufgenommen.

Deutlich wurde: Erfolgreiche kommunale Führung basiert auf klaren Prioritäten, verlässlichen Entscheidungsprozessen und einer beherzten, empathischen und nahbaren Haltung. Ein Highlight bildete die Frage an Sören Link zu einer Zukunftsprojektion der Stadt Duisburg im Jahr 2035.

World-Café und Smartmikros

Das World-Café bildete das kommunikative Herzstück der Veranstaltung. In einem Speed-Dating-Format kamen Studierende direkt mit den teilnehmenden Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern sowie mit den Vertretenden der Einstellungsbehörden ins Gespräch. So konnte auch ein zukünftiger Absolvent des EJ 2023 aus der Stadt Wuppertal (Studienort Hagen) seine neue Chefin, Oberbürgermeisterin Miriam Scherff, kennenlernen.

Während des World-Cafés wurde auch umfangreiche qualitative Interviews von zwei Studierenden geführt:

  • Könnt Ihr Euch vorstellen, irgendwann Bürgermeister/in zu werden?
  • Welche Fähigkeiten beziehungsweise Hinderungsgründe bestehen, um eine solche Karriere anzustreben?
  • Was sind die wichtigsten Politikfelder auf kommunaler Ebene? Wie hat Euch diese Veranstaltung gefallen?

Die Interviews mit Smartmikros zeigten ein differenziertes Bild: Viele Studierende sehen die hohe Verantwortung des Amtes, erkennen aber zugleich die Chance, aktiv gesellschaftliche Entwicklungen zu gestalten und Verantwortung zu übernehmen.

Stimmen und Eindrücke aus dem World-Café

„Ich könnte mir das schon gut vorstellen, weil man etwas in der Stadt verändern kann – auch wenn es eine große Verantwortung ist.“

„Wir müssen für Innovation sorgen und aktiv an Veränderungen in der Gesellschaft mitwirken.“

„Man sollte Bürgermeister auf jeden Fall schätzen – sie sind ein wichtiges Organ in unserer Gemeinde.“

„Die Aufgaben sind extrem vielfältig – von Schulen über Infrastruktur bis zur sozialen Sicherheit.“

„Die Kommunen stehen vor großen Herausforderungen, gerade bei Finanzen und Digitalisierung.“

„Das war die beste Veranstaltung bisher im Studium.“

Resümee und Ausblick

Das Symposium hat die HSPV NRW als zentralen Ort für den Austausch zwischen Lehre und Praxis (Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, Fach- und Führungskräfte der Einstellungsbehörden, HSPV-Alumni) bestätigt. Es stärkt das Verständnis für kommunale Selbstverwaltung und zeigt die hohe Relevanz einer fundierten Ausbildung zukünftiger Fach- und Führungskräfte.

Das Bürgermeistersymposium wird als zentraler Kommunalkongress weiterentwickelt und verstetigt. Die Einbindung der Perspektive weiterer Bundesländer und Hochschulen des öffentlichen Dienstes, unter anderem wie bisher aus Baden-Württemberg und Niedersachsen, aber auch aus anderen Bundesländern, soll optimiert werden. 

Im Kern bleibt: Kommunale Selbstverwaltung lebt von Persönlichkeiten, die Verantwortung übernehmen, Brücken bauen und sich für das Gemeinwohl einsetzen.