Verkehrsexpertentag 2025Schutz für Ungeschützte

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Ein Mädchen mit Tornister steht auf einem Bürgersteig, um die Straße zu überqueren. Von rechts kommt ein Auto die Straße entlanggefahren.
Besonders Kinder sind im Straßenverkehr gefährdet und müssen geschützt werden.
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In Münster fand der 23. Deutsche Verkehrsexpertentag statt.

Unter dem Titel „Schutz für Ungeschützte – Mehr Sicherheit für vulnerable Verkehrsteilnehmende in unseren Städten“ fand am 18. November 2025 der 23. Deutsche Verkehrsexpertentag (VET) in Münster statt – ein Fachkongress, der erneut in enger Kooperation zwischen der HSPV NRW und dem Dachverband Verkehrsunfall-Opferhilfe Deutschland e.V. (VOD) organisiert wurde. Als verlässlicher Kooperationspartner ermöglichte die HSPV NRW durch inhaltliche Begleitung und personelle Unterstützung erneut eine reibungslose Durchführung – wie bereits bei den VET-Veranstaltungen 2023 in Köln und 2022 in Duisburg.

Ein gemeinsamer Appell: Menschenschutz vor Flächenkonkurrenz

Im Mittelpunkt der Tagung stand die Frage, wie Städte und Kommunen ihre Infrastruktur und Regelwerke gestalten müssen, um Fußgängerinnen, Radfahrende, Senioren, Kinder, Menschen mit Behinderung sowie Nutzer neuer Mobilitätsformen wie E-Scooter besser zu schützen. Die Auftaktworte des Vorsitzenden des VOD, Peter Schlanstein, sowie das Grußwort des Schirmherrn und NRW-Verkehrsministers Oliver Krischer (per Videobotschaft) machten deutlich: Eine menschengerechte, empathische und inklusive Verkehrsplanung ist kein Nice-to-have, sondern zentrale Voraussetzung für eine sichere und gerechte Mobilität.

Forschung trifft Praxis – Vortragende mit Expertise und Haltung

Der Kongress vereinte unter Moderation durch die Präsidentin der Deutschen Verkehrswacht, Kirsten Lühmann, polizeiliche, planerische, wissenschaftliche und politische Perspektiven. Die Teilnehmenden erlebten hochkarätige Vorträge, darunter von:

  • Dr. Sebastian Rauch (Institut für empirische Soziologie, Universität Erlangen), zur sicheren Mobilität von Kindern und Jugendlichen
  • PD a.D. Wolfgang Packmohr (FUSS e.V. und HSPV NRW), zu altersgerechter Verkehrsgestaltung
  • Prof. Dr. Dieter Müller (Hochschule der Sächsischen Polizei), zum Rechtsverhältnis von Fußgängern im Straßenverkehr
  • Prof.'in Dr. Reinhilde Stöppler (Justus-Liebig-Universität Gießen), zur nötigen Verbesserung der Mobilität für Menschen mit Behinderung
  • Prof. Dr. Bernhard Schlag (Technische Universität Dresden) mit eindrucksvollen Daten zur innerörtlichen Höchstgeschwindigkeit und zu „Tempo 30“ als das neue 50 für mehr innerstädtische Sicherheit
  • Jörg Ortlepp (Unfallforschung der Versicherer – UDV), über die angepasste Verkehrsraumgestaltung zum Radfahren in der Stadt und auf dem Land
  • Marco Schäler (Hochschule der Polizei Rheinland-Pfalz), zu den polizeilichen Herausforderungen der Verkehrsüberwachung der Mikromobilität 
  • Barend Hauwetter (Deutscher Verkehrssicherheitsrat e.V. – DVR), zur wachsenden Bedeutung moderner Fahrerassistenzsysteme
  • Iris Wiesner am Rednerpult des Verkehrsexpertentags.
    HSPV-Vizepräsidentin Prof.'in Dr. Iris Wiesner begrüßte die Anwesenden zum Verkehrsexpertentag.
  • Oliver Krischer vor blauem Hintergrund in einer Videobotschaft.
    NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer ist der Schirmherr der Veranstaltung.
  • Kirsten Lühmann vor einem Aufsteller bei ihrer Moderation.
    Kirsten Lühmann moderierte die Veranstaltung.
  • Lukas Graf von Schwerin in Polizeiuniform am Rednerpult.
    Lukas Graf von Schwerin erläuterte die Kooperation des Landes Niedersachsen mit dem VOD.

Zentrale Erkenntnisse: Handlungsspielräume konsequent nutzen

Konsens bestand darüber, dass mehr Schutz für Ungeschützte nicht an Erkenntnissen, sondern am politischen und planerischen Willen scheitert. Die Tagung machte folgende Punkte besonders deutlich:

 

  • Tempo 30 innerorts erhöht die Überlebenswahrscheinlichkeit bei Kollisionen deutlich – besonders für Kinder, Ältere und Menschen mit Behinderung.
  • Barrierefreie und durchdacht gestaltete Infrastruktur – etwa sichere Querungshilfen, klare Sichtbeziehungen und getrennte Verkehrsflächen – stärkt das Sicherheitsempfinden aller.

  • Große Fahrzeuge (SUVs, Pickups) stellen ein steigendes Risiko dar – nicht nur für Kinder und Menschen mit geringer Körpergröße, sondern aufgrund ihrer Masse, der höheren Schädigungsenergie sowie teilweise fehlender EU-Sicherheitsanforderungen. Die Zulassungspolitik und Fahrzeugarchitektur stehen in der Verantwortung.
  • Assistenzsysteme, wie Abbiege- oder Notbremsassistenten, bieten großes Potenzial, müssen aber verpflichtend und auf den Schutz vulnerabler Gruppen ausgerichtet sein.
  • Mobilitätserziehung in Kitas und Schulen, bessere Schulwegplanung und gezielte Öffentlichkeitsarbeit sind unverzichtbar für nachhaltige Verkehrssicherheit.
  • Verstärkte Verkehrsüberwachung sowie die digitale Unterstützung (z. B. smarte Ampeln, Kameratechnik) helfen, Rücksichtnahme und Regelakzeptanz zu fördern.

HSPV NRW – Akademischer Partner mit gesellschaftlicher Verantwortung

Als Mitträgerin des Kongresses hat die HSPV NRW durch fachliche Beteiligung und starke organisatorische Mitwirkung gezeigt, wie Hochschule und Praxis zusammenwirken können. Prof.'in Dr. Iris Wiesner, Vizepräsidentin der HSPV NRW, richtete persönliche Dankesworte an das Plenum und betonte die Verantwortung aller sicherheitsrelevanten Institutionen für eine Mobilität, die niemanden zurücklässt.

Ein Kongress mit Wirkung – auch über den Tag hinaus

Die Vorträge Diskussionsbeiträge zeigten eindrücklich, dass Vision Zero – das Ziel, keine Verkehrstoten und keine Schwerstverletzten mehr zu beklagen – kein utopisches Ideal bleiben muss. Sie kann erreicht werden, wenn Kommunen, Polizei, Verkehrsplanung, Fahrzeugindustrie und Bildungsträger gemeinsam und konsequent handeln. Der Deutsche Verkehrsexpertentag 2025 war dafür ein wichtiges Signal und ein starkes Plädoyer für mehr Schutz – insbesondere für die, die es im Straßenverkehr am meisten brauchen.

Die Vorträge des Deutschen Verkehrsexpertentags werden auf der Website der VOD zum Download bereitgestellt.