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Einsatz digitaler Medien in der Lehre Didaktische Gestaltung von Online-Lehre (Teil 2)

Von Nadine Kwelik und Bettina Rohwetter Themenreihe Digitale Lehre
© https://pixabay.com/de/

Im zweiten Teil unserer Themenreihe „Didaktische Hinweise zum Einsatz digitaler Medien in der Lehre“ gehen wir der Frage nach, wie Sie bei der didaktischen Gestaltung von Lehre mit digitalen Medien vorgehen können.

Um Hochschullehre didaktisch sinnvoll gestalten zu können – egal, ob in Präsenz oder online – ist es wichtig, sich zunächst mit den angestrebten Lern- und Kompetenzzielen auseinanderzusetzen: Was sollen die Studierenden am Ende einer Lehrveranstaltung können oder wozu sollen sie am Ende der Lehrveranstaltung in der Lage sein?

Die konkreten Lern- und Kompetenzziele einer Lehrveranstaltung sind an den im Modulhandbuch formulierten Zielen und der dort festgelegten Prüfungsform auszurichten. Lehrende können dann bei der Lehrveranstaltungsplanung die Inhalte und Methoden (Lehr-Lern-Aktivitäten), ganz im Sinne des Constructive Alignment, auf die jeweiligen Ziele und die Prüfungsform abstimmen.

 

Grafik zur Lehrveranstaltungsplanung im Sinne des Constructive Alignment (© HSPV NRW)

Lehr-Lern-Aktivitäten mit digitalen Medien

Egal, ob man seine Lehre von Beginn an als digitales Lehr-Lern-Szenario plant oder kurzfristig auf Online-Lehre umstellen muss, klar ist: Präsenzlehre lässt sich nicht so einfach eins zu eins auf den virtuellen Raum übertragen.

Wenn es darum geht, bestehende Inhalte und Methoden in ein digitales Lehr-Lern-Szenario zu überführen, ist es zunächst einmal sinnvoll, sich für die einzelnen Lehr-Lern-Aktivitäten bewusst zu machen, wie diese die Studierenden beim Erreichen der Lern- und Kompetenzziele unterstützen sollen. Nehmen wir ein Lehr-Lern-Szenario aus dem Fachbereich Polizei als beispielhaften Ausgangspunkt:

In der Präsenz-Lehrveranstaltung „Bearbeitung besonderer Kriminalitätsformen“ setzt eine Lehrperson die Kopfstandmethode ein und fragt die Studierenden, wie man unbemerkt aus einem Gefängnis ausbrechen kann. Die Lehrperson sammelt die Antworten der Studierenden mithilfe eines Whiteboards und verknüpft diese anschließend mit dem Lehrinhalt der Fahndungsarten. Diese Überraschungsfrage soll die Studierenden aktivieren und dazu anregen, den Sachverhalt aus einer ungewohnten Perspektive zu betrachten, um im Folgenden an die Lehrinhalte anzuknüpfen.

In einem nächsten Schritt können Lehrende sich nun fragen, welche digitalen Instrumente sie nutzen können, um die Studierenden online gleichermaßen beim Erreichen dieser Lern- und Kompetenzziele zu unterstützen. Das kann bedeuten, dass Lehr-Lern-Aktivitäten angepasst oder ganz neu gestaltet werden müssen.

So kann die Kopfstandmethode aus dem oben beschriebenen Beispiel mithilfe digitaler Medien auch in der Online-Lehre umgesetzt werden – und zwar auf verschiedene Weisen:

  • Variante A: Asynchrone Online-Lehre
    Eine Variante für die asynchrone Online-Lehre wäre, die Überraschungsfrage in einem Etherpad in ILIAS zu stellen und die Studierenden im Vorfeld während einer synchronen Online-Sitzung ihre Antworten dort niederschreiben zu lassen. Die Ergebnisse könnte die Lehrperson für die synchrone Online-Sitzung in einer Präsentation aufbereiten, diese live mit den Studierenden besprechen und anschließend die Brücke zum Lehrinhalt schlagen.
  • Variante B: Synchrone Online-Veranstaltung
    In einer ausschließlich synchronen Variante könnte die Lehrperson die Überraschungsfrage in die Präsentation einbauen oder auf einem digitalen Whiteboard visualisieren und live in der Online-Sitzung stellen. Wie die Antworten der Studierenden festgehalten werden, kann hierbei ganz unterschiedlich sein: Die Studierenden könnten zum Beispiel auf das Whiteboard schreiben, im Chat antworten oder sich sprachlich äußern, während die Lehrperson oder einzelne Studierende auf dem Whiteboard mitschreiben. Des Weiteren kann die Kopfstandmethode auch in verschiedenen Sozialformen umgesetzt werden, indem die Studierenden beispielsweise zur Bearbeitung der Aufgabe in Partner- oder Gruppenarbeit in separate Breakout-Rooms geschickt werden.

Tipp: Für beide Varianten ist auch der Einsatz anderer Tools, wie zum Beispiel Pingo, möglich.


Bei der Gestaltung von Online-Lehre geht es also nicht unbedingt darum, für jede Lehr-Lern-Aktivität die „einzig richtige, direkte Übersetzung“ ins Digitale zu finden, sondern digitale Methoden und Tools auszuwählen, mit denen die angestrebten Lern- und Kompetenzziele erreicht werden können.

Dabei sind Ihrer Kreativität durch die vielfältigen Tools und Umsetzungsmöglichkeiten, die Ihnen ILIAS, Adobe Connect, Zoom und weitere Anwendungen bieten, keine Grenzen gesetzt. Erste Ideen zur Umsetzung von Online-Lehre finden Sie in unserem Wiki „Didaktisch, methodisch, digital – Praxistipps für die Online-Lehre” sowie in dem Artikel „Hochschuldidaktik und Online-Lehre - Didaktisch sinnvolle Online-Lehre”.

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