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Lesung und Filmvorführung in DuisburgStaatliche Zensur und Propaganda

Prof. Dr. Stefan Piasecki (links) und Martin Bornträger vor dem Duisburger „filmforum“
Prof. Dr. Stefan Piasecki (links) und Martin Bornträger vor dem Duisburger „filmforum“

Lesung, Vorlesung und Filmvorführung für Polizeistudierende im Duisburger „filmforum“

Auch 77 Jahre nach Beendigung des Naziregimes in Deutschland sind die Themen staatliche Zensur und Propaganda mit Blick auf den Krieg in der Ukraine aktueller denn je. Um Studierende des Polizeivollzugsdienstes für diese Themen zu sensibilisieren und historisch-kritisch einzuordnen, veranstaltete die HSPV NRW eine Lesung, Vorlesung und Filmvorführung für Polizeistudierende im Duisburger „filmforum“.

Im Kontext von Polizeiarbeit im historischen Wandel  fand für Polizeistudierende erstmals die Lesung „Kleine Frau im Mond“, einem fiktiven Roman von Prof. Dr. Stefan Piasecki statt, der im letzten Kriegssommer auch in den UFA-Filmstudios spielt. Korrespondierend dazu wurde der historische, nationalsozialistische Propagandafilm „Junge Adler“ von 1944 gezeigt.

„In unseren Studiengängen legen wir großen Wert darauf, die Grundlagen einer menschenrechtsbasierten Haltung zu vermitteln sowie Respekt vor unterschiedlichen Lebensentwürfen. Formate wie die heutige Veranstaltung bieten eine ideale Voraussetzung, um sich mit der deutschen Geschichte kritisch auseinanderzusetzen und gleichzeitig  Wertevermittlung anschaulich zu machen“, erklärte Hochschulpräsident Martin Bornträger in seinem Grußwort.

Die Idee zur Veranstaltung kam von Prof. Dr. Stefan Piasecki, der seit 2018 an der HSPV NRW Soziologie und Politikwissenschaft lehrt: "Ich spicke meine Vorlesungen oft mit Originalmaterialien. Das können Wahlplakate sein, historische Lebensmittelkarten, Zeitungen oder Computerchips aus DDR-Produktion. Damit wird gerade für jüngere Studierende Politik oder Geschichte viel begreifbarer, als alleine durch die Bearbeitung von Texten. Meine Lehrveranstaltungen sollen interaktiv und immersiv sein, so wie die Medienwelten, in denen Menschen heute aufwachsen."

Der nationalsozialistische Propagandafilm„Junge Adler“ sei diesbezüglich aus mehrerlei Gründen interessant: Er wurde  von Propagandaminister Goebbels in Auftrag gegeben, um bei der Akquise von Soldaten und Luftwaffenhelfern und -helferinnen zu unterstützen. Dabei sprach er ganz bewusst jüngere Zielgruppen an, um sie für den Krieg zu gewinnen.

In Piaseckis aktuellem Buch „Kleine Frau im Mond: Leben zwischen Traumfabrik und totalem Krieg“, das in den UFA-Studios spielt, wird auch der Film „Junge Adler“ thematisiert. Die Protagonisten Mara und Helmut treffen dort am Rande der Pressevorstellung den jungen Hardy Krüger. Es basiert weitestgehend auf Archivrecherchen und Originaldokumenten und soll Studierende auch diesbezüglich motivieren. Der Film „Junge Adler“ gilt aus heutiger Sicht als Erziehungs- und Durchhaltefilm – aber auch als Vorbehaltsfilm, der nur mit entsprechender Genehmigung gezeigt werden darf.