Europa entdeckenStudienexkursion nach Brüssel
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- Johannes C. Mayer, Peter Könen
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Auf Einladung der Konrad-Adenauer-Stiftung fand am 23. und 24. Juni 2026 die Studienexkursion „Europa entdecken“ nach Brüssel statt
Die Veranstaltung richtete sich an Studierende der HSPV NRW, Abteilung Gelsenkirchen, Studienort Herne. An der Veranstaltung nahmen bis zu 32 Studierende des Einstellungsjahrgangs 2024 in der Praxisphase teil, unter anderem aus den Städten Bochum, Bottrop, Castrop-Rauxel, Dorsten, Essen und Gladbeck sowie aus dem Kreis beziehungsweise der Stadt Recklinghausen. Durch die Bildungsfreistellung der Studierenden von Seiten der Einstellungsbehörden fand zudem eine enge Kooperation mit den beteiligten Städten statt. Im Gegensatz zu einer klassischen Kursfahrt konnte auch der Zusammenhalt der Studierenden über die einzelnen Kurse hinweg und ein entsprechendes Networking ausgebaut werden. Ziel der Exkursion war es, die Institutionen der Europäischen Union vor Ort kennenzulernen und Einblicke in aktuelle europapolitische Herausforderungen und Entscheidungsprozesse zu erhalten.
Nach der Anreise der Teilnehmenden begann das Seminar mit einer Einführung durch den Tagungsleiter Harald Trinkaus. Anschließend stand ein Besuch der Europäischen Kommission auf dem Programm. Dort wurden die Rolle der Kommission als Bindeglied zwischen politischer Führung und Gesetzgebung sowie aktuelle Herausforderungen der Europäischen Union thematisiert. Im Mittelpunkt standen Fragen der Wettbewerbsfähigkeit Europas sowie Ansätze zum Bürokratieabbau.
Die Referenten aus der Europäischen Kommission erläuterten die Arbeitsweise der Behörde und gaben Einblicke in aktuelle politische Vorhaben. Besonders betont wurde, dass die EU- Kommission als Superbehörde für bis 450 Millionen Menschen mit nur ca. 30.000 Bediensteten auskommt. Diese Zahl liegt teilweise massiv unter der Zahl der Mitarbeitenden großer Hauptstädte der Mitgliedstaaten. Weiterhin wurde die Bedeutung des gemeinsamen Binnenmarktes der EU gegenüber beispielsweise Großbritannien hervorgehoben, welches in jedem EU-Staat deren Marktanforderungen individuell erfüllen muss.
Hierbei ist, wie auch bei der Personenfreizügigkeit, das Prinzip der gegenseitigen Anerkennung gemeinsamer Standards und Berufsqualifikationen besonders hilfreich, was es besonders für junge Leute möglich macht, auch in benachbarten EU- Staaten sehr einfach zu leben und zu arbeiten. Das EU- Recht wirkt sich zudem stark auf die kommunale Ebene aus, da bis zu 80 Regelungen, die auch für die Arbeit der Kreise und Städte relevant sind, auf EU- Vorgaben beruhen.
Am Nachmittag erhielten die Teilnehmenden bei einem Stadtrundgang einen Überblick über die Geschichte und Entwicklung Brüssels als europäische Hauptstadt. Dabei wurden historische, politische und kulturelle Aspekte der Stadt miteinander verknüpft und die besondere Bedeutung Brüssels als Sitz zahlreicher europäischer Institutionen verdeutlicht. Der zweite Veranstaltungstag begann mit einem Besuch des Europäischen Parlaments.
Dort erläuterte der Europaabgeordnete Dr. Stefan Berger MdEP die Zusammenarbeit innerhalb und zwischen den Fraktionen des multinationalen Parlaments. Im Mittelpunkt standen die Bildung wechselnder Mehrheiten, strategische Partnerschaften sowie die Herausforderungen parlamentarischer Arbeit auf europäischer Ebene. Im Anschluss besuchte die Gruppe den Rat der Europäischen Union. Dort wurde die Rolle des Rates als Interessenvertretung der Mitgliedstaaten und als zentraler Teil des europäischen Gesetzgebungsverfahrens dargestellt. Die Teilnehmenden erhielten einen vertieften Einblick in die Abstimmungs- und Entscheidungsprozesse zwischen den Mitgliedstaaten und den europäischen Institutionen.
Einen besonderen Schwerpunkt bildete der Besuch des Europäischen Ausschusses der Regionen. Im Rahmen eines Fachvortrags wurde die Bedeutung kommunaler und regionaler Interessen im europäischen Mehrebenensystem erläutert. Dabei wurde deutlich, dass Städte, Gemeinden und Regionen wichtige Impulsgeber für europäische Politik sind und über den Ausschuss der Regionen aktiv an europäischen Entscheidungsprozessen mitwirken können.
Diese Funktion der Kommunen wird durch spezifische europäische Zusammenschlüsse wie Sondergremien für die territoriale Zusammenarbeit, ein Netzwerk von EU-Kommunal- und Regionalräten sowie ein Programm für junge Mandatsträgerinnen und -träger (YEP) unterstützt. Schließlich erhalten die Kommunen – auch in NRW – erhebliche EU-Mittel zur regionalen wirtschaftlichen Entwicklung. Darüber hinaus wurden Vorgaben im Politikfeld des kommunalen Umwelt- und Klimaschutzes teilweise durch einen Interessenzusammenschluss auf regionaler Ebene (beispielsweise im Grundwasserschutz) auch zugunsten der lokalen Ebene entwickelt. Ein anschließender Gedankenaustausch mit Akteuren des Ausschusses der Regionen bot Gelegenheit zur Diskussion aktueller europäischer Herausforderungen aus kommunaler Perspektive.
Die Exkursion vermittelte den Teilnehmenden ein anschauliches Bild der europäischen Institutionen und ihrer Zusammenarbeit. Durch die Gespräche mit Fachleuten aus Kommission, Parlament, Rat und Ausschuss der Regionen konnten theoretische Kenntnisse durch praktische Einblicke ergänzt werden. Insbesondere die Verknüpfung europäischer Politik mit kommunalen Fragestellungen machte deutlich, wie eng europäische Entscheidungen und kommunales Handeln miteinander verbunden sind. Neben dem Fachunterricht an der HSPV NRW zum Europarecht und im Wahlpflichtmodul kommunale Selbstverwaltung mit europäischem Schwerpunkt der beiden begleitenden Lehrenden wird so die Europafähigkeit und Entscheidungskompetenz junger Bachelorabsolvent/innen und deren Einstellungsbehörden nochmals in besonderem Maße gestärkt. Schließlich ergeben sich in den Abteilungen, Büros und Stabsstellen für Europa und Internationales der Einstellungsbehörden der HSPV NRW flankierend passende Karrierechancen.
Die Veranstaltung wurde von der Konrad-Adenauer-Stiftung in Zusammenarbeit mit der HSPV NRW durchgeführt. Die wissenschaftliche Konzeption in Zusammenarbeit mit den Lehrenden lag bei Prof. Dr. Martin Reuber; für die Organisation war Andrea Stutzbecher-Mühlen verantwortlich, die Tagungsleitung übernahmen Harald Trinkaus (alle KAS), Peter Könen und Johannes C. Mayer (beide HSPV NRW).
Die Exkursion nach Brüssel ermöglichte einen praxisnahen Einblick in die Arbeit der Europäischen Union und verdeutlichte die Bedeutung europäischer Entscheidungen für die nationale, regionale und kommunale Ebene. Der direkte Austausch mit Vertreterinnen und Vertretern der EU-Institutionen trug wesentlich zum Verständnis der europäischen Politik und ihrer Entscheidungsmechanismen bei.








