Soziale Ungleichheit und ArmutSoziologie praktisch

Mehrere Menschen stehen im Innenhof des Studienorts Dortmund vor einem HSPV-Rollup.
V.l.n.r.: Christoph Pieper, Christian Agić, Sarah Heidenreich-Strunk (alle AWO Dortmund) und Christoph Koerdt (Lehrbeauftragter HSPV NRW)
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Staatlicher Verwaltungskurs im Gespräch mit Vertreterinnen und Vertretern der AWO Dortmund

Soziale Ungleichheit und die Auswirkungen von Armut: Was ist das und warum betrifft mich das in meiner späteren Arbeit als Verwaltungsbeamt/in im Landesdienst? Diese Frage stand wieder am Anfang einer Themenwoche, diesmal für die 17 Studierenden des Kurses DO S25/05 im Fach Soziologie. Die Anwärterinnen und Anwärter verschiedener Einstellungsbehörden aus dem Studiengang „Staatlicher Verwaltungsdienst“ (SVD) diskutierten zunächst theoretisch die Facetten von Sozialstruktur und sozialer Ungleichheit, um sich dann dem gesellschaftlichen Phänomen der Armut und ihren tatsächlichen Konsequenzen für Bildung, Gesundheit und Wohnen zu widmen. 

Zum diesjährigen Auftakt des praktischen Teils der Unterrichtsreihe konnte Dozent Christoph Koerdt zum wiederholten Male die Dortmunder Sozial- und Wohnungsloseninitiative von „bodo e.V.“ für eine soziale Stadtführung gewinnen. In einer weiteren Seminarsitzung zum Thema Armut folgten auf die Einladung von Christoph Koerdt gleich drei Vertreter/innen der Arbeiterwohlfahrt (AWO) des Unterbezirks Dortmund, um über Armut in Deutschland und ihre Auswirkungen auf Familien in den unterschiedlichen Einrichtungen der Arbeiterwohlfahrt aus Sicht eines Sozialverbandes zu referieren.

Nach einem fiktiven Tagebuchauszug eines von Armut betroffenen Kindes sowie einem kurzen Rollenspiel, bei dem die Studierenden des Kurses die Lebenswelt eines jeweils sozial benachteiligten Menschen einnahmen und damit einen Perspektivwechsel vollziehen konnten, folgte ein kurzweiliger Vortrag im regen Dialog mit den Studierenden zu den Facetten von Armut.

Sarah Heidenreich-Strunk, Bereichsleiterin für Kinder, Jugend und Familie, begrüßte den Kurs und skizzierte die Arbeitsfelder und die örtlichen Hilfsangebote der AWO in Dortmund, um an ihre beiden Kollegen überzuleiten. Christoph Pieper, Einrichtungsleiter einer Kindertageseinrichtung, veranschaulichte auch hier die Auswirkungen von Armut im Elementarbereich aus der Sicht der Kinder und Erwachsenen und verwies auf die Bedeutung von „Beziehungsarbeit als grundlegende Basis für den Aufbau von Vertrauen“ gegenüber den Hilfebedürftigen. Sein Kollege Christian Agić, Projektbereichsleiter für den Offenen Ganztag (OG), appellierte an den „Abbau von Scham und die Verhinderung des sozialen Rückzugs von Familien“, um zugleich die statistische Entwicklung der Leistungen für Bildung und Teilhabe (BuT) in den zwanzig Einrichtungen der AWO im Offenen Ganztag darzustellen – Tendenz stark steigend seit 2020. 

Die drei Referent/innen schlossen mit der Bitte um einen „empathischen, wertschätzenden und authentischen Umgang“ mit von Armut betroffenen Menschen. Dozent Christoph Koerdt bedankte sich für den nachdenklich machenden Exkurs und resümierte: „Soziale Ungleichheit beginnt im Kindes- und Jugendalter und muss genau dort auch durch Chancengerechtigkeit entgegnet werden. Das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe“.