Debattieren, aber richtigWarum es in der Demokratie auf gelungene Debatten ankommt
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Nachbericht zur fünften Veranstaltung der Ringvorlesung „Demokratie im Fokus“ mit Dr. Julia Reuschenbach am 21. Mai 2026
Müssen wir eigentlich mehr streiten? Und können wir damit die Demokratie retten? Dr. Julia Reuschenbach von der Universität Hamburg kommt zu einer klaren Antwort: Ja, aber richtig. Im Rahmen der fünften Veranstaltung der Ringvorlesung „Demokratie im Fokus“ hat Reuschenbach aufgezeigt, warum die aktuelle Krise der Demokratie auch eine Krise ihrer Debattenkultur ist. Besser zu streiten, kann zu einer stabileren Demokratie beitragen.
Reuschenbach bezog sich dabei auf das 2024 erschienene Buch „Defekte Debatten. Warum wir als Gesellschaft besser streiten müssen“. Gemeinsam mit dem Journalisten Korbinian Frenzel hat sie darin die Debattenkultur der Bundesrepublik untersucht und Vorschläge für gelingende Diskussionen vorgelegt.
In der Ringvorlesung wurde deutlich, warum Debatten aktuell häufig als defekt wahrgenommen werden. Unter anderem sei die Komplexität der Dinge oft der Komplexität der Kommunikation nicht angemessen. So werden komplexe gesetzgeberische Zusammenhänge beispielsweise auf die personalisierte Frage reduziert: „Scheitert oder gewinnt der Minister?“ Auch „Polarisierungsunternehmer/innen“ – ein Begriff, den Reuschenbach unter Rückgriff auf Steffen Mau verwendet – nennt sie als verantwortlich für eine gescheiterte Debattenkultur. Diese betonen immer den größtmöglichen Dissens in einer Gesellschaft.
Die Folgen dieser Entwicklung sind dramatisch und betreffen nicht nur die Politik, sondern die gesamte Gesellschaft. Das Gefühl der Selbstwirksamkeit gehe verloren, vielmehr stelle sich häufig ein Gefühl der Vergeblichkeit sowohl bei den politischen Akteurinnen und Akteuren als auch beim Publikum ein. Die hoch individualisierte Mediennutzung verhindert, dass intermediäre Akteurinnen und Akteure gesellschaftliche Integration leisten können. Und die affektive Polarisierung der Gesellschaft trägt mit ihrer Lagerbildung dazu bei, dass kaum mehr Brücken gebaut werden können.
Was tun? Sowohl das Buch als auch die Vorlesung zeichnen sich dadurch aus, dass nicht nur Herausforderungen beschrieben, sondern auch Lösungsansätze aufgezeigt werden. Einander zuzuhören, ohne unmittelbar zu werten, könne etwa ein wichtiger Schritt sein. Reuschenbach schlägt auch einen Perspektivwechsel vor, bei dem alle Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit erhalten, bis zu viermal im Leben für jeweils etwa zwei Monate in einem anderen Berufsfeld zu arbeiten. Dadurch könnten gesellschaftliche Debatten künftig sachlicher, fundierter und aus einer anderen Perspektive geführt werden.
Sehr klar hat sich Reuschenbach auch für strengere Regulierungen sozialer Medien ausgesprochen. Die Rolle von Hochschulen spielte in der anschließenden Diskussion eine besondere Rolle: Sie sind wichtige Orte, um Debattenkompetenz zu vermitteln.





