Demokratie in Gefahr?!Desinformation, „Fake News“ und Verschwörungsdenken
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Letzte Veranstaltung der Ringvorlesung „Demokratie im Fokus“
Am 11. Juni 2026 hat sich Referentin Katharina Nocun im Rahmen ihrer Vorlesung mit dem Thema „Demokratie in Gefahr?! Desinformation, ‚Fake News‘ und Verschwörungsdenken“ befasst.
Katharina Nocun hat Politik- und Wirtschaftswissenschaften studiert und ist als Bürgerrechtlerin und Publizistin tätig. Ein Schwerpunkt ihrer Publikationen liegt auf den Themenbereichen Verschwörungsglaube, Fake News und Esoterik.
In ihrem Vortrag setzte sie an der Erkenntnis an, dass sich viele Gruppierungen, die Verschwörungserzählungen verbreiten, während der Corona-Pandemie gebildet haben. Diese bestehen weiter fort, denn die (Krisen-)Ereignisse, auf die sich der Verschwörungsglaube bezieht, sind austauschbar. Der Kern von Verschwörungserzählungen ist die Vorstellung, dass Mächtige die Welt beeinflussen und sich verschworen haben, ein bestimmtes Ereignis herbeizuführen. Dabei verfolgen sie „böse“ Absichten, das heißt sie wollen der Bevölkerung schaden. In dieser Vorstellung passiert nichts aus Zufall, alles ist Teil eines größeren, geheimen Plans. Diese Erzählungen enthalten oft antisemitische und rassistische Elemente.
Laut einer repräsentativen Befragung, fanden 11 % die Proteste gegen die Corona-Schutzmaßnahmen gut. Die Teilnehmenden der Proteste zeigten ein hohes Zustimmungsverhalten zu Verschwörungsnarrativen: 43,7 % meinten, es gäbe viele Impftote und diese Informationen werden vertuscht, 53,8 % glaubten, das Virus werde absichtlich als gefährlich dargestellt, um bestimmte Maßnahmen durchzusetzen und 26,9 % meinten, das Virus werde absichtlich verbreitet, um die Bevölkerung zu reduzieren. Ein großer Anteil (59,4 %) der Teilnehmenden wählt die AfD; weitere 26,9 % gaben an, dass sie nicht wählen gehen.
Hinter dem Glauben an Verschwörungsmythen stehen spezifische psychologische Mechanismen. Insbesondere das Bedürfnis nach Kontrolle (in diesem Fall auch dadurch, eine Erklärung für große Krisen und schwerwiegende Ereignisse zu haben) und die Suche nach Identität, Zugehörigkeit und Aufwertung stehen hier im Fokus. Esoterische Elemente stellen einen besonderen Zugang dar, da Esoterik eher links verortet wird. Gerade Frauen können so angesprochen werden. Desinformationskampagnen werden dabei auch von Russland befördert, um Vertrauen in staatliche Institutionen zu schwächen.
In dem Vortrag ging es ferner um Fragen des Umgangs. Auf persönlicher Ebene sei es wichtig, so Katharina Nocun, dass man im Kontakt bleibt und nicht nur Debatten um Fakten führe. Viel eher sollte es darum gehen, das dahinterliegende Bedürfnis zu verstehen (zum Beispiel Anerkennung) und zu versuchen, es zu befriedigen. Dies alles ist jedoch ein Prozess, der Jahre dauern kann und nicht immer gelingt. Wichtig ist jedoch, dass es nicht zu einer Isolierung kommt. Auf gesellschaftspolitischer Ebene sei es hingegen wichtig, klare Grenzen zu setzen und nicht alles zu dulden. Dabei ist eine zentrale Frage, was die kritische Infrastruktur der Demokratie ausmacht.
Insgesamt zeigte sich im Vortrag und in der Diskussion, dass Fake News und Verschwörungsglauben wirkmächtig sind, insbesondere im demokratischen Diskurs. Nur mit dem Einbringen von „Fakten“ ist wenig geholfen, es bedarf grundlegender Strategien im Umgang mit falschen Informationen.





