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Interview zur Corona-Lage „Gesundheitsschutz hat an unserer Hochschule oberste Priorität“

Von Pressestelle Presse Corona
© HSPV NRWHSPV-Präsident Martin Bornträger im Gespräch mit Pressesprecherin Heike Lücking
HSPV-Präsident Martin Bornträger im Gespräch mit Pressesprecherin Heike Lücking

Mitte März hat die Hochschulleitung entschieden, bis Ende des Studienjahrs in der Online-Lehre zu verbleiben. Die Gründe hierfür und was für den Gesundheitsschutz insgesamt getan wird, erklärt HSPV-Präsident Martin Bornträger in diesem Interview.

  • Wieso bleibt die Hochschule bis Ende des Studienjahrs in der Online-Lehre?
    Die Infektionszahlen steigen und die Corona-Mutationen sind weiter auf dem Vormarsch. In dieser Situation hatten wir kein gutes Gefühl, wieder in die Präsenzlehre zurückzukehren. Außerdem wollten wir den Menschen an unserer Hochschule Planungssicherheit bieten, weshalb wir frühzeitig eine Entscheidung bis zum Ende des Studienjahrs getroffen haben. Natürlich hoffen wir, dass sich die Situation bis zum Sommer deutlich entspannt und viele von uns dann eine Schutzimpfung haben.  
    Was mir an dieser Stelle besonders wichtig ist: Der Gesundheitsschutz und dass unsere Studierenden ihr Studium planmäßig abschließen können, hat an unserer Hochschule oberste Priorität.
     
  • Die Kursräume an den Studienorten haben neuerdings Plexiglaswände. Wieso haben Sie sich für diese Maßnahme entschieden?
    Auf den ersten Blick sehen die Plexiglaswände in den Kursräumen vielleicht etwas sperrig aus. Aber wir haben uns bei der Entwicklung eines Schutzkonzeptes von wissenschaftlichen Erkenntnissen leiten lassen. So hat die Universität der Bundeswehr in Studien nachgewiesen, dass feste Trennwände zwischen benachbarten Personen in Kombination mit Luftreinigern der beste Schutz vor einer direkten Infektion in Kursräumen sind. Denn die Wände sind für Aerosolpartikel und Viren undurchlässig, sodass sich Tischnachbarn durch die Schutzwand direkt unterhalten können, ohne sich gegenseitig anzustecken. Die Hochleistungs-Raumluftreiniger verhindern eine Ausbreitung von Aerosolen in der Luft und sorgen somit für ein sicheres Umfeld. Durch diese Maßnahmen könnten die Studierenden an ihren Plätzen auch ohne Masken sitzen, was natürlich sehr angenehm ist.
    Übrigens sind wir eine der wenigen, wenn nicht vielleicht sogar die einzige Bildungseinrichtung im Land, die derzeit über einen so hohen Schutz-Standard verfügt.
     
  • Kann die Hochschule den Studierenden in dieser schwierigen Zeit entgegenkommen? Gibt es Unterstützungs- oder Erleichterungsmaßnahmen?
    Mir ist aus etlichen Gesprächen bekannt, dass Studierende durch die derzeitige Situation verunsichert sind und sie existenzielle Sorgen und Nöte plagen. Unter den jetzigen Bedingungen ist es, trotz guter Online-Lehre, sicherlich nicht leicht, zu lernen. Den ganzen Tag vor dem Bildschirm zu verbringen, ist für alle Beteiligten anstrengend. Um den Druck etwas abzufedern, der entsteht, wenn man bei der ersten Klausur durchfällt und beim Wiederholungstermin bestehen muss,  gibt es bei Klausuren jetzt einen zusätzlichen Versuch.
    Auch haben wir mitbekommen, dass viele Studierende stark unter Druck standen, weil Klausuren aufgrund des Lockdowns von Anfang des Jahres auf März verschoben werden mussten. Das bedeutete jedoch, dass Wiederholungklausuren und der reguläre Hauptlauf zusammenfielen. Unter Umständen hätten dann vier Klausuren in einer Woche geschrieben werden müssen. Um diese Situation zu entzerren und den Studierenden mehr Zeit zur Vorbereitung zu geben, haben wir sie „nur“ zwei Klausuren pro Woche schreiben lassen –  und zwar jeweils vor und nach dem Wochenende. Ich gebe zu, dass leider nicht bei allen angekommen ist, dass wir diese Entscheidung eigentlich zum Wohle der Studierenden getroffen haben.
     
  • Warum finden an der HSPV Klausuren in Präsenz statt und nicht online?
    Diese scheinbar einfache Lösung bringt etliche rechtliche und technische Schwierigkeiten mit sich. Wenn man genauer hinsieht, sind neben rechtlichen Hindernissen auch zahlreiche organisatorische Maßnahmen notwendig. So gibt es an anderen Hochschulen unterschiedliche Konzepte, wie zum Beispiel den Einsatz mehrerer Kameras, um auch den heimischen Arbeitsplatz überblicken zu können oder die Verwendung einer speziellen Software, in der die Klausur geschrieben wird. Neben Einschnitten und Kontrollen im privaten Raum gibt es auch Fragen der Ausstattung zu klären und welche Auswirkungen technische Probleme haben.  Alle Studierenden müssten die entsprechende Ausstattung selbst beschaffen und würden das Risiko bei technischen Problemen selber tragen. Das sind natürlich nur Beispiele. Sie sollen jedoch verdeutlichen, dass diese Prüfungsform für uns aktuell leider keine Option ist.
     
  • An anderen Hochschulen gibt es „Frei-Semester“. Warum gibt es das bei uns nicht?
    Die HSPV ist eine besondere Hochschule. Wir fallen nicht unter das allgemeine Hochschulgesetz, sondern haben eigene rechtliche Grundlagen. Sonderregelungen anderer Hochschulen können daher nicht  eins zu eins auf uns übertragen werden. Darüber hinaus haben wir einen eng gesteckten Zeitrahmen, in dem das Studium zu absolvieren ist. Verwaltung und Polizei warten dringend auf Nachwuchs, alle Inhalte sind auf die knappe Zeit von drei Jahren ausgelegt. Wir haben also nicht nur rechtlich eine andere Ausgangslage, sondern können das Studium auch nicht einfach, wie an anderen, staatlichen Hochschulen, nach hinten raus verlängern. Deswegen sind „Frei-Semester“ bei uns nicht zu realisieren.
     
  • Was würden Sie als erstes Resümee aus der Pandemie ziehen?
    Wir sind bei vielen Entscheidungen in der Sache gut aufgestellt. Allerdings ist es nicht immer gelungen, diese Entscheidungen auch transparent zu kommunizieren. Das muss ich selbstkritisch einräumen, hier haben wir noch Luft nach oben.
     
  • Wird es auch nach Corona noch weiter Online-Lehre geben?
    Unsere Hochschule ist und bleibt in erster Linie eine Präsenzhochschule. Trotzdem hat die Online-Lehre diverse Vorteile und eröffnet neue Möglichkeiten. Wir werden gemeinsam mit allen Beteiligten diese Möglichkeiten weiterentwickeln und sinnvoll in unsere Studiengänge einbetten.
     
  • Werden Sie sich impfen lassen?
    Die Impfung ist aus meiner Sicht unsere einzige Chance, diese Pandemie zu überwinden. Wenn ich an der Reihe bin, werde ich mich impfen lassen.
     
  • Was können Studierende tun, wenn sie Probleme haben?
    Wir haben mit der Funktionsadresse corona(at)hspv.nrw.de eine zentrale Anlaufstelle für alle Fragen geschaffen. Um unsere Studierenden in dieser schwierigen Zeit zu unterstützen, gibt es an der HSPV darüber hinaus verschiedene Anlaufstellen, wie die örtlichen Studierendenberatungen, die psychosoziale Beratung oder die Gleichstellungsbeauftragte. Die Kolleginnen der Studierendenberatung bieten beispielsweise Workshops  an, um Prüfungsstress oder die Studien- und Lernplanung leichter bewältigen zu können. Auch die Studierendenvertretung ist ein wichtiger Ansprechpartner und hat für die Probleme der Studierenden immer ein offenes Ohr.

Weitere Informationen zur Studie der Bundeswehr, inklusive einer Untersuchung, welches Unterrichtskonzept während der Corona-Pandemie sicher und realisierbar ist, finden Sie hier

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