Geschichte verstehen, Verantwortung tragenPolizeistudierende besuchen Ausstellung „Schlaglichter“ in Bochum
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Geschichte verstehen, Verantwortung reflektieren, Haltung entwickeln: Studierende der HSPV NRW vom Studienort Duisburg besuchten im Rahmen der Soziologielehre die Ausstellung „Schlaglichter“ im Polizeipräsidium Bochum. Die intensive Auseinandersetzung mit der Rolle der Bochumer Polizei während der NS-Zeit und den damit verbundenen ethischen Fragestellungen hinterließ bei vielen der angehenden Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten einen nachhaltigen Eindruck.
Im Halbdunkel der Ausstellung herrscht für einen Moment völlige Stille. Vor historischen Fotografien, persönlichen Schicksalen und eindringlichen Dokumenten bleiben die Studierenden der HSPV NRW stehen, lesen, diskutieren, fragen nach. Der Besuch der Ausstellung „Schlaglichter“ im Polizeipräsidium Bochum wurde für den Kurs schnell weit mehr als eine Exkursion im Rahmen des Studiums – er wurde zu einer intensiven persönlichen und professionellen Erfahrung.
Die Ausstellung „Schlaglichter – von Verblendung zu Veränderung“ setzt sich kritisch mit der Rolle der Bochumer Polizei in der Zeit des Nationalsozialismus auseinander. Thematisiert werden unter anderem die Beteiligung der Polizei an Einschüchterung, Gewalt und der Verfolgung politisch Andersdenkender sowie von Menschen, die von der NS-Ideologie als „minderwertig“ diffamiert wurden. Auch Deportationen in Konzentrationslager, die Arbeit der Gestapo Bochum und die Frage, wie ehemalige NS-Funktionäre nach dem Krieg untertauchen oder ihre Karrieren fortsetzen konnten, werden anhand historischer Akten, Fotografien und Dokumente nachvollziehbar gemacht. Ausgangspunkt der Ausstellung waren wiederentdeckte und digitalisierte Aktenbestände, mit denen die Polizei Bochum ihre eigene Vergangenheit wissenschaftlich begleitet aufgearbeitet hat.
Für die angehenden Polizeibeamtinnen und -beamten eröffnete sich damit ein Lernraum, der weit über die theoretische Wissensvermittlung hinausging. Immer wieder entwickelten sich zwischen den Stationen angeregte Gespräche über Verantwortung im Polizeidienst, demokratische Werte und die Bedeutung einer reflektierten Berufsethik.
Besonders eindrücklich war dabei, wie offen und engagiert sich die Studierenden mit den Inhalten auseinandersetzten. Viele von ihnen beschrieben den Besuch als wichtigen Impuls für ihre persönliche Entwicklung und ihre zukünftige Rolle im Polizeidienst. Eine Studentin brachte die Bedeutung der Auseinandersetzung mit der Geschichte auf den Punkt: „Gerade für uns als zukünftige Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte ist es wichtig zu verstehen, welche Verantwortung unser Beruf mit sich bringt – auch mit Blick auf die Geschichte.“
Auch die Verbindung zwischen theoretischer Lehre und konkreter Erfahrung wurde von den Teilnehmenden hervorgehoben. Ein Student betonte: „Im Unterricht sprechen wir oft über Werte und Ethik. Hier wird plötzlich greifbar, warum das so wichtig ist.“
Die Auseinandersetzung mit demokratischen Prinzipien und ethischen Fragestellungen ist ein fester Bestandteil des Studiums an der HSPV NRW. Ziel ist es, die Studierenden nicht nur fachlich, sondern auch in ihrer Persönlichkeit auf die Herausforderungen des Polizeidienstes vorzubereiten. „Lehrveranstaltungen im Kursraum bilden dafür eine wichtige Grundlage – doch gerade außerschulische Lehr- und Lernformate wie der Besuch der Ausstellung machen die Inhalte unmittelbar erfahrbar und emotional zugänglich. Sie schaffen Räume für Reflexion, Perspektivwechsel und Diskussionen, die nachhaltig wirken“, betonte HSPV-Professorin Dr. Janet Kursawe, die die Studierenden bei dem Ausstellungsbesuch begleitete.
Entsprechend positiv fiel auch das Fazit der Studierenden selbst aus: Die kritische Auseinandersetzung mit der eigenen institutionellen Vergangenheit wurde von vielen ausdrücklich als unverzichtbar und bedeutsam hervorgehoben – nicht nur für das Verständnis von Geschichte, sondern auch für das eigene berufliche Selbstverständnis.
Der Besuch wurde vom WDR Fernsehen begleitet. Der Beitrag ist in der Lokalzeit zu sehen:





