Die Gedenkstätte als LernortExkursion nach Düsseldorf

Gruppenfoto der Studierenden in der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf.
Duisburger Studierende zu Gast in der Landeshauptstadt
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Ein Lehrformat macht sichtbar, wie historische Aufarbeitung Verwaltungshandeln prägt

Am 20. März 2026 besuchten Studierende des Bachelorstudiengangs „Staatlicher Verwaltungsdienst“ der HSPV NRW (Studienort Duisburg) im Rahmen des Studienmoduls „Interkulturelle Kompetenz“ die Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf. Die Exkursion war inhaltlich in die Auseinandersetzung mit Antidiskriminierung, die Reflexion struktureller Ungleichheiten sowie die Verantwortung staatlicher Institutionen eingebettet und wurde gezielt mit einem praxisnahen Lernort verbunden. Ziel war es, historische Perspektiven auf Diskriminierung – auch durch lokalbiografische Einblicke – nachzuvollziehen und sie mit den Anforderungen an eine reflektierte und verantwortungsbewusste Verwaltungspraxis zu verbinden.

Im Mittelpunkt stand die Wanderausstellung „gefährdet.leben. Queeres Leben ab den 1920er Jahren“ der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld, die in Düsseldorf aktuell durch den lokalgeschichtlichen Beitrag „Queeres Leben in Düsseldorf. Von den Goldenen Zwanzigern bis 1945“ ergänzt wird. Kuratiert wurde die Ausstellung von Historikerin Astrid Hirsch-von Borries, welche die Führung selbst durchführte. Die dargestellten Perspektiven wurden von der Künstlerin Saskia Holte um die Installation „Zwang und Zeichen“ erweitert, wodurch zusätzlich ein künstlerischer Zugang zu individuellen Erfahrungen von Ausgrenzung und Verfolgung geschaffen wird.

Historische Perspektiven auf Diskriminierung

Die Ausstellung führt eindrücklich vor Augen, dass queere Lebensrealitäten bereits in den 1920er Jahren im öffentlichen Leben präsent waren, zugleich jedoch massiven gesellschaftlichen und staatlichen Repressionen ausgesetzt wurden. Anhand von Biografien und historischen Dokumenten wird nachvollziehbar, wie Diskriminierung nicht nur auf gesellschaftlicher Ebene wirkte, sondern auch zunehmend politisch und institutionell verankert war. Verwaltung fungierte dabei nicht als neutraler Rahmen, sondern als Teil jener Strukturen, die Ausgrenzung ermöglichten und stabilisierten.

Gemeinsame Reflexion im Kontext der Hochschullehre

Die dargestellten Lebensgeschichten bildeten den Ausgangspunkt für die anschließende gemeinsame Reflexion im Rahmen des Moduls „Interkulturelle Kompetenz“ und für das Thema Antidiskriminierungsarbeit. Im Zentrum standen Fragen nach Kontinuitäten von Diskriminierungsmechanismen, deren juristischer und gesellschaftlicher Aufarbeitung sowie der daraus erwachsenden Verantwortung staatlicher Institutionen. Deutlich wurde dabei auch, dass strukturelle Diskriminierung häufig in Routinen, Verfahren und Prozesse eingebettet ist und diese gerade deshalb regelmäßig einer bewussten, kritischen Auseinandersetzung bedürfen.

Im Kontext des Netzwerks „Weltoffene Hochschulen“ wird dieser Ansatz, historische Diskriminierungsformen aufzuarbeiten, um gegenwärtige zu begreifen, als zentral verstanden für die Förderung und Ausbildung einer wertschätzenden demokratischen Verwaltung: Hochschulen sind nicht nur Orte der Wissensvermittlung, sondern Räume, in denen historische Aufarbeitung, gesellschaftliche Verantwortung und praxisorientierte Ausbildung vernetzt werden. Die Exkursion zeigt exemplarisch, wie solche Lernräume durch die Verbindung von Forschung und Praxisbezug konkret gestaltet werden können. Derartige Lernformate knüpfen somit zugleich an zentrale Fragestellungen an wie etwa hinsichtlich der Bedeutung demokratischer Resilienz und der Rolle einer diversitätssensiblen Organisationsentwicklung im öffentlichen Dienst.

Verwaltung zwischen Neutralität und Verantwortung

Gleichzeitig wird die wichtige Frage nach der Umsetzung von Neutralität beleuchtet. Die Exkursion zeigt, dass Neutralität in der öffentlichen Verwaltung nicht als formales Prinzip stehen bleiben darf, sondern erst durch die bewusste Auseinandersetzung mit demokratischen Werten mit Leben gefüllt und im Handeln wirksam wird.

Zusammen reflektierten die Studierenden sowohl in der gemeinsamen Diskussion vor Ort als auch im anschließenden Unterricht über die Bedeutung, diskriminierungssensibel zu handeln, eigene Vorannahmen und Stereotype zu reflektieren und die Wahrung von Grundrechten aktiv mitzudenken. Verwaltung übernimmt damit eine zentrale Rolle bei der Umsetzung von Gleichbehandlung und bei der Sicherung demokratischer Werte, die nie als selbstverständlich betrachtet werden dürfen, sondern aktiv für alle Menschen gewährleistet werden müssen.

Fazit

Die Verbindung von historischer Aufarbeitung, wissenschaftlicher Reflexion und praxisorientierter Ausbildung eröffnet Räume, in denen Studierende ihre zukünftige Rolle in der Verwaltung kritisch hinterfragen und aktiv gestalten können. Insbesondere die Auseinandersetzung mit historischen Diskriminierungserfahrungen ist dabei keine rückwärtsgewandte Aufgabe, sondern eine zentrale Voraussetzung für eine offene, demokratische und diskriminierungssensible Verwaltung und damit ein Kernbestandteil eines zeitgemäßen demokratischen mehrperspektivischen Verwaltungshandelns.