Digitales TrainingUmgang mit an Demenz erkrankten Menschen

Zwei ältere Damen und zwei Polizisten stehen vor einem Ladengeschäft auf dem Bürgersteig.
Ein sensibler und menschenwürdiger Umgang mit dementen Menschen ist auch für die Polizei wichtig.
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Ein neues Online-Angebot bereitet Polizistinnen und Polizisten auf einen sensiblen und würdigen Umgang mit Menschen, die unter einer Demenz leiden, vor.

Eine ältere Frau blickt in die Kamera, links von ihr sieht man das Gesicht eines Polizisten, rechts von ihr eine Polizistin von hinten.
Der Umgang mit Menschen, die unter Demenz leiden, ist nun ein wichtiger Bestandteil der Aus- und Fortbildung bei der Polizei.

Nach zwei Jahren intensiver Forschung steht der Polizei ab sofort ein neues digitales Training zur Verfügung: „Menschenwürde im Einsatz – Demenz verstehen, Rechte schützen“. Das Angebot wurde von der Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung Nordrhein-Westfalen (HSPV NRW) in Kooperation mit der Polizeiakademie Hamburg erstellt. Das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW förderte das Projekt, das durch das Deutsche Institut für Menschenrechte und die Deutsche Alzheimer Gesellschaft begleitet wurde.

„Die Polizei muss Ansprechpartnerin für alle Menschen sein. Deshalb ist ein würdiger Umgang mit Menschen, die unter einer Demenz leiden – insbesondere in unserer alternden Bevölkerung – in der Aus- und Fortbildung unserer Beamtinnen und Beamten ein wichtiger Baustein zur Kommunikation mit allen Teilen der Bevölkerung“, sagt NRW-Innenminister Herbert Reul über das neue Angebot. 

Über einen Online-Zugang können Polizistinnen und Polizisten bundesweit das Training absolvieren. Bereits kurz nach Veröffentlichung wurde das Training in das Lernmanagementsystem des Landesamts für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten der Polizei NRW integriert, so dass es allen Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten in NRW unkompliziert zur Verfügung steht. Erstmalig werden darin die Konsequenzen der UN-Behindertenrechtskonvention für die polizeiliche Arbeit mit dieser besonders vulnerablen Gruppe von Menschen praxisnah vermittelt. Das Training geht aber auch in methodischer Hinsicht neue Wege, insofern es sich an den Grundsätzen der Menschenrechtsbildung orientiert. An typischen Einsatzszenarien und begleitet mit Stimmen von Betroffenen, Angehörigen, Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten sowie von Experten und Expertinnen aus dem Menschenrechtsschutz und der sozialen Arbeit werden hier Handlungsoptionen auf interaktive und dialogische Weise entwickelt.

Zahl der Betroffenen steigt

„Ich freue mich sehr, dass das vom Gesundheitsministerium geförderte, digitale Training nun für die Polizeibeamtinnen und -beamten zur Verfügung steht. Denn das Training wird ihnen die Krankheit Demenz und ihren Einfluss auf die Betroffenen vermitteln und so dazu beitragen, sie im Umgang mit an Demenz erkrankten Menschen in ihrer alltäglichen Arbeit zu stärken. Das ist wichtig und richtig, denn die Zahl der an Demenz Erkrankten in unserer alternden Gesellschaft steigt. Dass die Polizei weiß, welchen Einfluss diese Krankheit auf Betroffene hat und wie damit am besten umzugehen ist, ist sowohl für die Betroffenen selbst als auch für ihre An- und Zugehörigen von Bedeutung und trägt zur Deeskalation in ohnehin schwierigen Krisensituationen bei“, sagte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann

Im Jahr 2021 waren in Deutschland knapp 1,8 Mio. Menschen an Demenz erkrankt. Nach aktuellen Schätzungen könnte die Zahl bis 2050 auf 2,8 Mio. Menschen steigen. Sollten diese Schätzungen zutreffen, wird die Arbeit der Polizei mit demenzerkrankten Menschen sowohl im Einsatz als auch im Rahmen von Ermittlungstätigkeiten deutlich zunehmen. 

Dieser Umstand war der ausschlaggebende Grund für Prof. Dr. Tobias Trappe und Dr. Emanuel John das Forschungsprojekt zu starten. Beide lehren an der HSPV NRW Ethik. Prof. Dr. Tobias Trappe forscht seit vielen Jahren im Bereich der Polizei- und Verwaltungsethik und war von 2019-2023 stellv. Sprecher des Fachbereichsrats Polizei. Dr. Emanuel John ist Beauftragter des Fachbereichs Polizei für Menschenrechtsbildung und Sprecher des Instituts für Geschichte und Ethik der Polizei und öffentlichen Verwaltung. 

„Ich freue mich, dass unsere Hochschule auch in diesem Feld praxisnahe Möglichkeiten findet, um auf gesellschaftliche Veränderungen und Herausforderungen bestmöglich zu reagieren und diese Lösungen in die Lehre einfließen zu lassen“, erklärte Martin Bornträger, Präsident der HSPV NRW.