Deutscher VerkehrssicherheitsratVerkehrssicherheit braucht Forschung und Haltung

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HSPV-Absolventin Melina Brock gewinnt den ersten Platz beim DVR-Förderpreis 2026
Das DVR-Forum am 25. Juni 2026 in Berlin griff unter dem Leitgedanken „Mit Sicherheit unterwegs – auf zwei Rädern durch Stadt und Land“ zentrale Fragen moderner Verkehrssicherheitsarbeit auf. Im Fokus der Veranstaltung standen motorisierte Zweiräder, Fahrräder und Lastenräder, deren Bedeutung im Berufsverkehr, in der Freizeit und in der urbanen Warenlogistik weiter wächst. Zugleich machte das Forum deutlich: Mit der Vielfalt neuer Mobilitätsformen steigen auch die Anforderungen an Infrastrukturplanung, technische Standards, Regelkenntnis und verantwortliches Verhalten.
Aus Münster an die Spitze des Bundespreises
Ein besonderer Erfolg für die HSPV NRW: Melina Brock, Absolventin des Studienortes Münster im Fachbereich Polizeivollzugsdienst, wurde im Rahmen des DVR-Forums mit dem 1. Platz des DVR-Förderpreises 2026 ausgezeichnet. Ihre Bachelorarbeit zum begleiteten Fahren ab 16 Jahren erhielt ein Preisgeld von 3.500 Euro. Die Erstplatzierte ist damit bereits die vierte Kandidatin der HSPV vom Studienort Münster, die den Bundespreis für ihre Thesis erhalten hat. Zuletzt war vor drei Jahren Vanessa Kuhlage mit einer Arbeit zu Sozialvorschriften zur Lkw-Sicherheit mit dem 1. Platz ausgezeichnet worden.
Eine Praxisfrage mit Präventionskraft
Die prämierte Thesis untersucht, ob eine Absenkung des begleiteten Fahrens von 17 auf 16 Jahre die Unfallzahlen junger Fahrerinnen und Fahrer weiter senken könnte. Auf der Grundlage einer Literaturstudie und ergänzender Experteninterviews zeigt die Absolventin, dass mit zunehmender Dauer des begleiteten Fahrens Unsicherheit abnimmt und die Unfallraten im ersten Jahr des selbstständigen Fahrens sinken können. Da eine solche Absenkung derzeit europarechtlich nicht möglich ist, empfiehlt die Arbeit eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit: Jugendliche sollten motiviert werden, die Fahrausbildung bereits mit 16½ Jahren zu beginnen, um die Begleitphase ab dem 17. Geburtstag voll auszuschöpfen.

Forschung, die polizeiliches Handeln stärkt
Der fachliche Bezug zur Polizei ist unmittelbar: Verkehrssicherheitsarbeit verlangt nicht nur Kontrolle und Unfallaufnahme, sondern auch Prävention, Beratung, Kooperation und wissenschaftlich begründete Lageeinschätzung. Gerade junge Fahrende, Zweiradnutzende und vulnerable Verkehrsteilnehmende stehen dabei im Fokus. Das DVR-Forum zeigte dies eindrücklich: Die Zahl der Getöteten stieg 2025 bei E-Scootern, Pedelecs und Kleinkrafträdern deutlich; der DVR betont unter anderem die Bedeutung konsequenter polizeilicher Kontrollen bestehender Verbote, sicherer Radverkehrsinfrastruktur und besserer Regelkenntnis.
Weitere ausgezeichnete Arbeiten
Auch die übrigen prämierten Abschlussarbeiten zeigen, wie breit Verkehrssicherheitsforschung angelegt ist. Der 2. Preis, dotiert mit 2.500 Euro, ging an eine Masterarbeit der Friedrich-Schiller-Universität Jena zur Frage, wie betriebliche Arbeitsorganisation Mobilitätsunfälle beeinflusst. Die geteilten 3. Preise, jeweils mit 1.500 Euro ausgezeichnet, würdigten eine Masterarbeit der Universität Kassel zu Hindernissen in der Fußverkehrsplanung sowie eine Masterarbeit der Technischen Universität München zum Zusammenhang von Radfahrverhalten und Infrastruktur an Kreuzungen.
Maßstab für starke Thesen
Eine prämierungswürdige Thesis muss aus der Vielzahl sehr guter Arbeiten hervorstechen: durch besonderen Praxis- und Anwendungsbezug, Originalität, Innovationskraft, Interdisziplinarität oder herausragende wissenschaftliche Fachkompetenz. Ein besonderes Gewicht liegt auf der eigenständigen Bearbeitung. Genau darin liegt die Botschaft an Studierende der HSPV NRW: Wer im Studium präzise fragt, methodisch sauber arbeitet und polizeiliche Praxisprobleme mutig aufgreift, kann Verkehrssicherheit sichtbar verbessern. Der DVR sucht ausdrücklich innovative Ideen, wissenschaftliche Fundierung und gesellschaftliche Relevanz – also genau jene Verbindung, die gute Polizeiwissenschaft auszeichnet.





