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#WirmeisterndieKrise Nichts wird, wie es war – am Ende gewinnt das Leben

Von Prof. Dr. Thorsten Attendorn Corona-Geschichten
© HSPV NRW

Prof. Dr. Thorsten Attendorn, hauptamtlich Lehrender am Studienort Dortmund, blickt auf das Osterfest 2020 zurück und zieht ein persönliches Zwischenfazit aus der Corona-Krise

Throwback

Ostersonntag, 12. April 2020
Die obigen Worte aus der Osteransprache des NRW-Ministerpräsidenten Armin Laschet vor einem Jahr prägen sich mir ein. Corona ist ein Paukenschlag. Mitten in der „ersten Welle“ (dass es eine zweite und dritte geben wird, weiß man noch nicht) verbreitet Laschet mit der Perspektive auf „das Leben“ Zuversicht. In der Schockstarre der deutschlandweiten Kontaktsperre keimt Hoffnung auf die Rückkehr zur Normalität. Zugleich will der Ministerpräsident darauf vorbereiten, dass dieses „Leben“ nie mehr dasselbe sein wird.

20. März 2020
Drei Wochen zurück. Es ist der letzte Präsenztag an der HSPV NRW, es geht in die Online-Lehre. Die letzten Wochen waren bizarr: Infektionen – Epidemie – Pandemie; China – Webasto – Heinsberg; „flatten the curve“ – Gesundheitssystem – Bergamo; Klopapier – Kontaktsperre – Lockdown … Ich versuche immer, das „große Bild“ zu sehen, komme aber wochenlang nicht hinterher.
An diesem Tag nehme ich für ungewisse Zeit von „meinem“ HSPV-Standort in Dortmund Abschied. Es entsteht ein Video für meinen YouTube-Kanal.
 

„Zeit zum Nachdenken“ – 5 Gedanken
  1. Wir erleben Geschichte, global und persönlich.
  2. Wir werden genötigt, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden.
  3. Wir werden auf unsere existenziellen Bedürfnisse zurückgeworfen.
  4. „Es kommt raus, was drin ist.“ In der Not zeigt sich unser wahres Wesen.
  5. Wir bekommen eine Denkpause geschenkt. Nutzen wir sie zum Nachdenken über die lebensentscheidenden Fragen!
     
Lessons learned – 2020 edition

In den nächsten Wochen geht es mir vor allem darum, den Studierenden in dieser Verunsicherung eine Perspektive zu bieten.

Perspektive 1
In vielen Kurs- und Einzelkontakten vermittle ich den Studierenden, dass sie verlässlich gute Lehre bekommen werden. Hilfreich ist, dass die HSPV NRW eine klare Linie hat; der Studienverlauf und die Prüfungen haben Bestand; es besteht Freiraum für die Lehre.
Aus dem Stand visualisiere ich mit Unterstützung unseres „Medienlabors“ den bis zur Klausur anstehenden Verwaltungsrechtsstoff, fahre auf ungewohnt leeren Straßen zur Hochschule und spiele in leeren Kursräumen Lehrvideos ein. In den nächsten Monaten werden fast 100 Videos, auch auf YouTube, weit über unsere Hochschule hinaus nützlich werden: Eine nachhaltige „Corona-Frucht“.
Insgesamt erlebt man Aufbruchstimmung: digitale Konzepte, „gute Online-Lehre“, Technik-Know-How und Investitionen... Nichts wird, wie es war!

Perspektive 2
Mehr noch als das Studium beschäftigt manche Studierende ihr persönliches Erleben dieser Krisensituation. Woche für Woche führe ich mehrstündige Gespräche über Unsicherheit und Hoffnung, Wert und Sinn, Vergänglichkeit und Ewigkeit. Als überzeugter Christ möchte ich helfen, Antworten auf existenzielle Fragen zu finden. Ich erlebe, dass auch andere im Glauben Halt finden, ihr persönliches „Ostern“ erleben. Am Ende gewinnt das Leben.
Dass sich diese (meine) Überzeugung wenige Wochen später in bislang ungekannten Tiefen zu bewähren hat, weiß ich in diesem Moment noch nicht. Ein heftiges Burnout bedeutet, dass tatsächlich „nichts wird, wie es war“. Mein beziehungsweise unser Leben verändert sich grundlegend. Es gewinnt: das Leben.
 

Ostersonntag, 4. April 2021

Corona ist nicht vorüber. Wir sind heute in der „dritten Welle“ (auf viel höherem Infektionsniveau als damals), im dritten, verlängerten und „harten“ Lockdown. Hoffnung speist sich aus Impfungen. Nun aber scheint sich Pandemie-Routine, Corona-Müdigkeit breitzumachen.
 

Lessons learned – 2021 edition
  • Zur Lehre: Ich habe wertvolle Einsichten für mich persönlich und meine Seite der Lehre gewonnen. Die Hochschule tut viel, um künftig Präsenzlehre zu ermöglichen. Welchen Platz wird „gute Online-Lehre“ haben? Als Jurist freue ich mich, dass unter Corona rasante Rechtsgeschichte geschrieben wurde, was die künftigen Lehrinhalte bereichern wird.
  • Zum Lernen: Monotone Lehre kann entweder mit Überforderung und Rückzug oder aber mit Video-Lerngruppen und Zugriff auf alternative Ressourcen beantwortet werden. Soziale Entbehrung muss nicht zu Isolation führen – Spaziergänge und Zoom-Meetings sind eine Alternative. Es gilt, Verantwortung für den eigenen Lernprozess und -erfolg zu übernehmen.
  • Und sonst so: Wohl bei jedem hinterlässt die ganze Situation Spuren. Es scheint vorrangig darum zu gehen, irgendwie durchzukommen. Die Krise ist die neue Normalität. Woher will man das Extra an Kraft, an Hoffnung nehmen, um zu gestalten und zu wachsen, sodass es am Ende nicht wieder wird, wie es war? Meine Überzeugung ist dieselbe wie vor einem Jahr…


Lessons learned?
Throwback Ostersonntag. Ist der Corona-Paukenschlag vorüber? Er wird überall da weiterhallen, wo man ihm einen Resonanzraum gibt.

Perspektive X
Wenn wir/ich in X Jahren auf diese Corona-Zeit zurückblicke(n) – welchen Nachhall hat sie in unserer Gesellschaft, in meinem Leben gehabt?
Ich wünsche mir/uns/Ihnen, sagen zu können: Es war bizarr, es war anstrengend, vieles daran war nicht schön, manches schlimm – aber: es war gut. Es gab tatsächlich kein „weiter so“, sondern es ist nun besser als vorher – und am Ende gewann „das Leben“!

Weitere „Corona-Geschichten“ finden Sie wöchentlich auf der Homepage der HSPV NRW sowie auf unseren Corona-Seiten.

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