Soziale Roboter in Verwaltungen6. Symposium für E-Government und Digitalisierung

Prof. Dr. Andreas Gourmelon begrüßt die Teilnehmenden vom Rednerpult aus.
Begrüßung durch Prof. Dr. Andreas Gourmelon

Soziale Robotik: Möglichkeiten und Grenzen des Einsatzes in öffentlichen Verwaltungen

Am 24. November 2025 fand das 6. Symposium für E-Government und Digitalisierung in den Räumlichkeiten der Zentralverwaltung der HSPV NRW statt. Die Veranstaltung widmete sich dem Thema soziale Robotik und den Einsatzmöglichkeiten der Technik in öffentlichen Verwaltungen. Rund 160 Studierende des Studiengangs Kommunaler Verwaltungsdiensterhielten durch Fachvorträge geladener Expertinnen und Experten einen umfassenden Einblick in aktuelle technologische Entwicklungen.

Das Symposium ist mittlerweile fester Bestandteil des E-Government-Moduls am Studienort Herne und ergänzt die theoretischen Inhalte durch praxisorientierte Beiträge. Initiiert und moderiert wurde das Symposium von Prof. Dr. Andreas Gourmelon, Barbara Hinse (hauptamtlich Lehrende) und Esther Herfurth (wissenschaftliche Mitarbeiterin).

Die Veranstaltung knüpfte an die aktuellen Herausforderungen im öffentlichen Dienst an: Der anhaltende Fachkräftemangel, bevorstehende Pensionierungswellen der Babyboomer-Generation und steigende Anforderungen heterogener Bevölkerungsgruppen setzen viele Verwaltungen zunehmend unter Druck. Um auch künftig verlässliche, bedarfs- und diversitätsgerechte Dienstleistungen anbieten zu können, rückt der Einsatz digitaler und KI-gestützter Technologien stärker in den Fokus. Sie gilt inzwischen als eine Schlüsseltechnologie der Verwaltungsmodernisierung und bietet zahlreiche Einsatzmöglichkeiten.

In diesem Kontext eröffnen Roboter mit sozial-interaktiven Fähigkeiten vielversprechende Potenziale. Soziale Roboter werden speziell für die Interaktion mit Menschen entwickelt und sind in der Lage, menschenähnliches Verhalten zu simulieren. Der Einsatz von KI befähigt sie inzwischen dazu, die Emotionen des Gegenübers zu erkennen und sich mit Gestik und Mimik der Interaktion anzupassen. Ihr Einsatz zielt darauf ab, Mitarbeitende zu entlasten, beispielsweise durch die Übernahme von Routinetätigkeiten, Orientierungshilfen im Publikumsverkehr oder die Bereitstellung allgemeiner Informationen.

Das Ziel des Symposiums lag darin, die Studierenden dafür zu sensibilisieren, wie diese Technik heute funktioniert, wo ihre Grenzen liegen und welche Rolle sie bei der zukünftigen Gestaltung kommunaler Verwaltungsarbeit spielen könnte.

Vorträge

Nach der Begrüßung durch Prof. Dr. Andreas Gourmelon übernahmen Barbara Hinse und Esther Herfurth die Moderation und führten in das Thema ein. Dabei wurde kurz das vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt geförderte Verbundprojekt „RuhrBots“ vorgestellt, das den bedarfs- und diversitätsgerechten Einsatz sozialer Roboter in Verwaltungen erforscht und an dem die HSPV NRW seit drei Jahren intensiv beteiligt ist.

Es folgten drei Fachvorträge, die das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchteten:

  • Ana Kirschbaum von der Technischen Hochschule Köln eröffnete den Vortragsblock mit einer grundlegenden Einführung in die soziale Robotik. Sie erläuterte die Ursprünge des Forschungsfeldes, stellte verschiedene Robotermodelle und deren Einsatzbereiche vor und zeigte auf, wodurch sich soziale Roboter von anderen Systemen unterscheiden. Dabei betonte sie sowohl das technologische Potenzial als auch die Notwendigkeit weiterer Forschung, insbesondere vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels und der möglichen Unterstützungsleistungen für vulnerable Personengruppen.
     
  • Prof. Dr. Edwin Naroska von der Hochschule Niederrhein präsentierte anschließend den aktuellen technologischen Entwicklungsstand und verdeutlichte das rasante Tempo der Fortschritte in KI und Robotik. Er zeigte anschaulich, welche Fähigkeiten soziale Roboter heute bereits besitzen, wo technische und praktische Grenzen liegen und welche Einsatzmöglichkeiten im realen Verwaltungsalltag bestehen. Abschließend skizzierte er mögliche Zukunftsszenarien des Zusammenlebens von Menschen und Robotern, verbunden mit der rhetorischen Frage, ob wir überhaupt noch Entscheidungsmacht besitzen oder bereits „getrieben“ werden.
     
  • Rita Zöllner von der Evangelischen Hochschule Nürnberg ergänzte die technischen Perspektiven um eine ethische Betrachtung. Sie betonte die Bedeutung gesellschaftlicher Leitbilder und Erwartungen an Robotik und KI und erläuterte anhand des Collingridge-Dilemmas, warum eine frühzeitige Reflexion von Chancen und Risiken essenziell ist: Während das Wissen über eine Technologie im Entwicklungsverlauf wächst, nehmen die Gestaltungsmöglichkeiten gleichzeitig ab. Vor diesem Hintergrund ermutigte sie die Studierenden, zentrale Fragen der zukünftigen Mensch-Maschine-Interaktion kritisch zu diskutieren. Als methodischen Rahmen stellte sie dafür MEESTAR vor – ein Modell zur ethischen Evaluation sozio-technischer Arrangements.
  • Ein KI-generiertes Bild mit einem Roboter und Menschen in einer Stadtverwaltung.
    KI-generiertes Beispielbild
  • Esther Herfurth moderiert die Veranstaltung vom Rednerpult aus.
    Moderation durch Esther Herfurth
  • Anas Kirschbaum steht am Rednerpult und spricht zu den Teilnehmenden.
    Ana Kirschbaum
  • Prof. Dr. Edwin Naroska steht am Rednerpult und spricht zu den Teilnehmenden.
    Prof. Dr. Edwin Naroska
  • Rita Zöllner steht am Rednerpult und spricht zu den Teilnehmenden.
    Rita Zöllner

Das große Interesse der Studierenden spiegelte sich in zahlreichen Fragen wider, die im Plenum mit den Referierenden diskutiert wurden.

Zum Abschluss der Veranstaltung wurden die Einstellungen der Studierenden zum Einsatz sozialer Roboter in Verwaltungen mittels einer kurzen Online-Befragung erhoben. Die Ergebnisse dienen als Grundlage für die ab 2026 geplanten Forschungsvorhaben der HSPV NRW im Rahmen von RuhrBots, wo die Akzeptanz von Beschäftigten und Führungskräften in Verwaltungsorganisationen untersucht wird.

Neben den Referierenden geht ein herzliches Dankeschön an die Lehrenden im E-Government-Modul sowie an die Kolleginnen und Kollegen vom Veranstaltungsmanagement. Durch ihre Unterstützung ist das Symposium zum Erfolg geworden.