Begegnungen mit Menschen in psychischen Krisen neu gestalten Fachtagung

05. Nov. 2026um 09:00 - 16:00 Uhr speichern
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Ein Mikrofon steht an einem Rednerpult in einem Veranstaltungsraum.
Die Tagung findet am Studienort Duisburg statt
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Einladung zur Fachtagung "Zwischen Zwang und Unterstützung – Begegnungen mit Menschen in psychischen Krisen neu gestalten" in Duisburg

Der Umgang mit Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen gehört zum Alltag der Polizeiarbeit. Die polizeiliche Einschätzung des Ausmaßes an Selbst- und Fremdgefährdung stellt dabei eine wichtige Voraussetzung dar, wenn es um die Frage der Unterbringung oder der weiteren medizinischen Versorgung der betroffenen Personen geht.

Herausforderungen beschreiben die Autorinnen des Konzeptpapiers „Kompetenzen im Umgang mit Menschen in psychischen Ausnahmensituationen“ (MepAs) unter anderem auch in der fehlenden polizeilichen Möglichkeit zur Krankheitsbeurteilung, wenn kein medizinisches Personal hinzugezogen werden kann. Sie legen deshalb nahe, das Erkennen von Zustandsbildern, wie zum Beispiel Angst, motorischer Unruhe, Verzweiflung, Überdrehtheit, Halluzinationen etc. in die polizeiliche Aus- und Fortbildung zu integrieren und den deeskalativen Umgang damit zu trainieren.

In den Kommunen sind zugleich die Sozialpsychiatrischen Dienste (SPDi) verortet, deren Mitarbeitenden eine Expertise bei der Unterstützung mit Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen besitzen. Diese arbeiten auf Grundlage des Psychisch krankengesetzes (PsychKG) und regen im äußersten Fall Zwangseinweisungen nach dem PsychKG bei der einweisenden Behörde, dem Ordnungsamt, an. PsychKG-Überprüfungen (Zwangseinweisungen) werden während der Dienstzeiten immer in Kooperation zwischen Ordnungsamt und SPDI durchgeführt. Auch berät der SPDi über weitere Unterstützungsangebote freier Träger in den einzelnen Bezirken. Von einer Verbindung und Koordinierung der Kompetenzen beider Organisationen, Polizei und SPDi, profitieren die betroffenen Menschen, aber auch Fachkräfte der SPDi sowie Polizist/innen.

Zudem wird damit den Forderungen der UN-Behindertenrechtskonvention und den Leitlinien der World Health Organisation entsprochen. Demnach sollen lokale Strukturen angestrebt werden, durch die Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen Unterstützung zur Ausübung ihrer Rechte und gesellschaftlichen Teilhabe erhalten und somit Zwang vermieden werden. In der Praxis von Polizei und SPDi sind hierfür vielerorts Ansätze zu erkennen, oft bleiben diese aber unter ihren Möglichkeiten. Die Gründe dafür können regional variieren. Eine Kooperation auf „Augenhöhe“, geprägt von gegenseitigem Vertrauen und Respekt ist notwendig, um ein hohes Maß an Feinfühligkeit für die Betroffenen geben zu können. Aus Sicht des jeweiligen professionellen Auftrags kann es zudem schwer sein, das Verständnis von Gefahren und Entscheidungen in Risikosachverhalten sowie das Ziel der unterschiedlichen Arbeitsweisen und Maßnahmen in Einklang zu bringen.

Dieser Fachtag möchte deshalb verschiedene Verantwortliche zum gemeinsamen Austausch einladen. Leitend sind dabei die folgenden Fragen:

  • Welche Differenzen und Gemeinsamkeiten lassen sich zwischen den Perspektiven Betroffener, SPDi und Polizei ausmachen?
  • Wie kann interdisziplinäre Zusammenarbeit, die an den Rechten und der Selbstbestimmung Betroffener orientiert ist, gelingen?
  • Wie kann auf lokaler Ebene ein kooperatives Vorgehen niedrigschwellig gestaltet werden?

Antworten auf diese Fragen, die mit den Rechten der Betroffenen sowie den organisationalen Zuständigkeiten und Aufgaben vereinbar sind, sollen im Austausch entwickelt werden.

Konzeption und Organisation
Der Fachtag wurde von P. Peschel und D. Großmann vom Soziapsychiatrischen Dienst der Stadt Duisburg mitinitiiert.

Organisator/innen
Dr. Emanuel John, Prof. Dr. Katharina Lorey, Prof. Dr. Kathrin Wick-Rentrop, Prof. Dr. Kiyomi von Fran kenberg

Anmeldung

Die Veranstaltung richtet sich an Praktiker/innen aus Polizei, Sozialpsychiatrischen Diensten, freien Trägern und zivilgesellschaftlichen Organisationen sowie an alle Interessierten aus Wissenschaft, Lehre und anderen relevanten Bereichen.

Interessierte können sich bis zum 20. Oktober 2026 unter veranstaltungen(at)hspv.nrw.de für die Fachtagung anmelden. Die Teilnahme ist kostenlos. Mittagessen kann auf eigene Kosten in der Kantine des Studienorts gekauft werden.

Programm

09:00 UhrEmpfang
09:30 UhrBegrüßung
09:45 Uhr

Menschen in psychischen Krisen - Schutz ihrer Rechte oder Schutz der anderen?

Margret Osterfeld, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapeutin i. R., langjährige Mandatsträgerin im Unterausschuss der Vereinten Nationen zur Prävention von Folter und anderer grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe (UN SPT) und der Nationalen Stelle zur Verhütung von Folter

10:30 UhrPause
10:45 Uhr

Psychischen Krisen im Rechtsstaat begegnen

a. Polizeiliche Erfahrungen und Ansätze
EPHK Ralph Decker (Polizei NRW)

b. Ansätze und Handlungsmöglichkeiten des SPDi
Mitarbeitende (Sozialpsychiatrischer Dienst der Stadt Duisburg)

c. Polizeilicher Schusswaffengebrauch gegenüber psychisch auffälligen Personen – zwischen Gefahrenabwehrrecht und Notwehr
Prof. Dr. Sascha Kische (HSPV NRW)

12:30 UhrMittagspause
13:15 Uhr

Unterstützung gemeinsam mit Betroffenen gestalten

Jens Jüttner (Autor und Ex-In Genesungsbegleiter)

14:00 UhrPause
14:15 Uhr

Ängste und Kontakte

a. Prävention, Stabilisierung und Unterstützung
Michael Bormke (Geschäftsfeldleiter Besondere Wohnformen, Regenbogen e.V. Duisburg)

b. Polizeilicher Umgang mit Personen mit Risikopotential
Stefan Groß (Koordinator PeRiskoP des Polizeipräsidiums Mönchengladbach

15:45 UhrIdeenmarkt
16:30 UhrAbschluss
Programm der Fachtagung

Kontakt

John, Emanuel
Herr ORR Dr. Emanuel John

Lehre