Antisemitismus in der Polizeiausbildung Fachtag

19. Nov. 2025um 09:00 - 16:00 Uhr Speichern
Aufnahme eines Polizeiautos.
Der Fachtag richtet sich sowohl an Hochschulangehörige als auch an Externe

Abschluss des Forschungsprojekts Empathia³

Welche Rolle spielt „Antisemitismus“ als Thema in der Polizeiausbildung beziehungsweise welche Rolle sollte „Antisemitismus“ spielen? Wie kann ein entsprechendes Lehrangebot aussehen, das sich sowohl an den Bedarfen angehender Polizistinnen und Polizisten als auch an den Betroffenen von Antisemitismus orientiert und zudem gesellschaftliche Entwicklungen in den Blick nimmt?

Im Rahmen des vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) geförderten Verbundforschungsprojekts „Empathia³ - Empowering Police Officers and Teachers in arguing against Antisemitism“ wurden diese Fragen in den vergangenen vier Jahren an der HSPV NRW mit Blick auf die Zielgruppe der Polizei bearbeitet.

Ergebnisse sind…

  • eine bundesweite Studie zur Rolle von Antisemitismus in der Polizeiausbildung,
  • eine landesweite Studie zur Wahrnehmung von Polizei und jüdischem Leben in der Landespolizei NRW,
  • eine evaluierte Bildungsintervention für die Polizeiausbildung,
  • ein fachdidaktischer Ansatz zur ethisch-politischen Bildung sowie
  • ein large scale Test zur Erfassung von Wissen und Wahrnehmungen zu Antisemitismus und jüdischem Leben. 

Anlässlich des Projektabschlusses stellen wir die Ergebnisse am Vormittag vor. Am Nachmittag möchten wir gemeinsam mit Ihnen in drei Workshops zur Antisemitismusprävention in der Hochschule, der Polizei und der Lehrendenfortbildung die Ergebnisse weiterdenken.

Zur Rahmung des Fachtags wird Sabena Donath (Leiterin der Bildungsabteilung des Zentralrats der Juden) am Morgen eine Keynote zu jüdischen Perspektiven auf Antisemitismus und Bildung halten.

Ausführliche Informationen zum Forschungsprojekt stehen online zur Verfügung:

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Programm

Programmübersicht
UhrzeitProgrammpunkt
09:00 Uhr

Begrüßung

Martin Bornträger (Präsident der HSPV NRW)

Dr. Sarah Jadwiga Jahn (Projektleitung Empathia³, HSPV NRW)

Sylvia Löhrmann (Beauftragte des Landes Nordrhein-Westfalen für die Bekämpfung des Antisemitismus, für jüdisches Leben und Erinnerungskultur)

09:30 Uhr

Nur eine Frage der Sicherheit? Jüdische Perspektiven auf Antisemitismus und Bildung

Keynote von Sabena Donath (Direktorin der Bildungsabteilung des Zentralrats der Juden in Deutschland)

10:30 UhrPause
10:45 Uhr

PROJEKTERGEBNISSE VORSTELLEN
Vorträge

Die Verortung von Antisemitismus in der Polizeiausbildung: Ziele und Ergebnisse des Projekts

Dr. Sarah Jadwiga Jahn(Empathia³, HSPV NRW)

Empathisch-selbstreflexive Bildung: Fachdidaktische Grundlage institutioneller Antisemitismusprävention

Jana-Andrea Frommer (Empathia³, Thüringer Fachhochschule für öffentliche Verwaltung, Fachbereich Polizei)

Quantitative und Qualitative Erkenntnisse zur Wirksamkeit einer Bildungsmaßnahme zur Professionalisierung gegen Antisemitismus in der Polizeiausbildung

Dr. Lisa Zachrich (Empathia³, Universität Tübingen) & Natalia Kajzer (Empathia³, HSPV NRW)

13:00 UhrMittag
13:45 Uhr

ERGEBNISSE WEITERDENKEN
Workshops zu Handlungsfeldern der Antisemitismusprävention in der Polizeibildung

Antisemitismusprävention in der Hochschule

Prof. Dr. Elisabeth Schilling (HSPV NRW, Netzwerk jüdischer Hochschullehrender)

Antisemitismusprävention in der Polizeibehörde

Heiko Sauer und Tino Minnameier (Polizeipräsidium Unterfranken, AG PRIOX) 

Antisemitismusprävention durch Lehrendenfortbildung: Möglichkeiten und Grenzen einer ethisch orientierten und emotionsbewussten Didaktik

Dipl.-Päd. Cornelia Rotter (Hessische Hochschule für öffentliches Management und Sicherheit, Leiterin Hochschuldidaktischer Dienst)

15:15 UhrAbschlussrunde und Ausblick
16:00 UhrEnde der Veranstaltung

Workshops

Wie kann Antisemitismus an Hochschulen wirksam begegnet werden? Welche Netzwerke, Kooperationen und Projekte unterstützen dabei?

Im ersten Teil des Workshops werden das Netzwerk, seine Arbeitsfelder, Vorhaben und bisherige Ergebnisse vorgestellt. Im zweiten Teil des Workshops werden gemeinsam Perspektiven entwickelt: Wie können die Erkenntnisse des Projekts Empathia³ für die Netzwerkarbeit fruchtbar gemacht werden? Welche Allianzen und Maßnahmen lassen sich daraus ableiten? Dabei geht es auch um mögliche Kooperationen und konkrete Handlungsansätze. Ziel ist es, gemeinsam Strategien zu entwickeln, die Solidarität fördern und Antisemitismus in der akademischen Welt wirksam begegnen.

Alle Interessierten Personen sind herzlich eingeladen, sich zu informieren, mitzudenken und mitzuwirken.
 

Workshopleitung

Prof. Dr. Elisabeth Schilling ist seit 2009 Professorin für Sozialwissenschaften an der HSPV NRW. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Zeit, Diversität, Migration, Biografie und Antisemitismus.

Seit Januar 2024 ist sie aktives Mitglied des Netzwerks jüdischer Hochschullehrender. Dieses Netzwerk entstand als Reaktion auf den sprunghaften Anstieg von Antisemitismus nach dem 7. Oktober 2023 und verfolgt das Ziel, Antisemitismusprävention und -eindämmung im Hochschulbereich zu stärken.

Wie kann Antisemitismusprävention in der Polizeibehörde gelingen? Welche Inhalte, Kompetenzen und Kooperationen unterstützen dabei?

Im ersten Teil des Workshops stellen wir die Idee und die Arbeit der Arbeitsgruppe (AG) PRIOX des Polizeipräsidiums Unterfranken vor. Das Kürzel PRIOX steht für „Prävention in der Organisation gegen Extremismus“. Das Ziel ist es, nachhaltig präventiv gegen die Entstehung von Extremismus, Rassismus, Antisemitismus und Diskriminierung innerhalb des Polizeipräsidiums Unterfranken tätig zu sein, ein Bewusstsein bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu schaffen und diejenigen, die besonders in der Verantwortung stehen zu sensibilisieren. Zudem unterhält die AG PRIOX eine Kooperation der Bildungsabteilung des Zentralrats der Juden und ist an verschiedenen Projekten beteiligt, wie Empathia³.

Im zweiten Teil des Workshops werden gemeinsam Perspektiven entwickelt: Wie können die Erkenntnisse des Projekts Empathia³ und die Erfahrungen für die Polizeifortbildung weitergedacht werden? Welche Erkenntnisse lassen sich ableiten? Dabei geht es auch um mögliche Kooperationen und konkrete Handlungsansätze.
 

Workshopleitung

EKHK Heiko Sauer (Polizeipräsidium Unterfranken, Kommissariatsleiter und stellvertretender Leiter AG PRIOX)

PHK Tino Minnameier (Polizeipräsidium Unterfranken, Dienstgruppenleiter und Mitglied AG PRIOX)        

Wie können wir Hochschullehre verändern, um zu einer professionellen Haltungsentwicklung der Studierenden beizutragen? Gemeinsam wollen wir im Workshop der Frage nachgehen, welche essenziellen Fähigkeiten und Fertigkeiten im Rahmen einer polizeilichen Ausbildung vermittelt und gefestigt werden müssen, um den aktuellen und künftigen Herausforderungen sowie einem steigenden Antisemitismus wirkungsvoll zu begegnen. Gegenstand soll die Integration des Lern- und Bildungsziels „Haltungsentwicklung“ in die polizeiliche Hochschulausbildung sein.

Hier erfolgt eine Neubetrachtung der Vermittlungsprozesse in den Studienfächern. Die Themenzentrierte Interaktion (TZI) nach Ruth Cohn dient dabei als Grundlage für die didaktischen Überlegungen. Es wird dargestellt, welche Potenziale die TZI hinsichtlich einer ethisch orientierten und emotionsbewussten Didaktik im polizeilichen Studium bereithält. Davon ausgehend nehmen wir die Projektergebnisse von Empathia³ in den Blick, diskutieren konkrete Umsetzungsmöglichkeiten und beleuchten die spezifischen Herausforderungen und Chancen für die Lehrenden und ihre Rolle.
 

Workshopleitung

Cornelia Rotter leitet seit 2017 den Hochschuldidaktischen Dienst an der Hochschule für öffentliches Management und Sicherheit (HöMS, zuvor HfPV). Aus ihrer Tätigkeit als Diplompädagogin heraus absolvierte sie von 1999 bis 2002 das Studium an der Verwaltungsfachhochschule in Wiesbaden und versah ihren Dienst im Anschluss als  Polizeibeamtin in der Bereitschaftspolizei und im Landeskriminalamt. Daran schlossen sich mehrere Jahre Trainerinnentätigkeit an der Polizeiakademie im Bereich Führungsfortbildung und im Fortbildungsbereich der persönlichen und sozialen Kompetenzentwicklung an.

Seit 2017 ist sie Lehrbeauftragte der Themenzentrierten Interaktion (TZI) nach Ruth Cohn. 2024 schloss sie an der Philipps-Universität Marburg den berufsbegleitenden Masterstudiengang „Beratung im Kontext Rechtsextremismus“ ab.

Kontakt

Jahn, Sarah Jadwiga
Frau RD'in Dr. Sarah Jadwiga Jahn

Lehre