Resiliente Daseinsvorsorge durch Zusammenarbeit von Verwaltung und Zivilgesellschaft BMFTR-Förderlinie: HAW-ForschungsAkzente

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Die Sicherstellung öffentlicher Daseinsvorsorge, insbesondere im Bildungsbereich, steht vor großen Herausforderungen – etwa durch Fachkräftemangel und begrenzte finanzielle Mittel. Im Zuge des Ausbaus der Ganztagsbetreuung in Deutschland (stufenweise Einführung des bundesweiten Rechtsanspruchs ab 2026) entsteht ein akuter Bedarf an effektiver Zusammenarbeit zwischen öffentlicher Bildungsverwaltung und zivilgesellschaftlichen Akteuren (z. B. Sport-, Kultur- und Umweltvereinen). Eine Zusammenarbeit ist oft noch in den Anfängen und wird nach ersten Forschungsarbeiten teilweise als nicht partnerschaftlich wahrgenommen. Insbesondere administrative Hürden und unterschiedliche Handlungslogiken erschweren eine nachhaltige Kooperation. Bürokratische Anforderungen wirken oft abschreckend oder sogar prohibitiv auf das zivilgesellschaftliche Engagement. 

Das geplante Forschungsvorhaben untersucht, wie die Kooperation von Verwaltung und zivilgesellschaftlichen Akteuren im schulischen Ganztag bzw. beim Aufbau und der Stärkung damit einhergehender Bildungslandschaften gestärkt werden kann. Ausgangspunkt ist die Annahme, dass die Qualität der Zusammenarbeit bei der Gewährleistung von Bildungs- und Betreuungsangeboten entscheidend für eine erfolgreiche Umsetzung des Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung ist. Statt sich – wie bisher häufig – allein auf Kapazitätsplanung oder Professionalisierung zu konzentrieren, setzt das Projekt auf eine Analyse struktureller Kooperationsbedingungen. 

Es fokussiert zwei Teilfragen, die gleichzeitig die Leitfragen für die zwei Teilprojekte sind: 

(1) Wie sind Kooperationsstrukturen und -prozesse zwischen Verwaltungseinheiten im Bildungsbereich und zivilgesellschaftlichen Akteuren (Vereinen, Initiativen) derzeit organisiert und welche Chancen oder Hürden ergeben sich daraus? 

(2) Welche Funktionen und Dysfunktionen der Verwaltung sowie administrative Belastungen beeinflussen das Engagement zivilgesellschaftlicher Partner? 

Das Vorhaben verfolgt folgende zentrale Ziele: 

  • Identifikation von Hemmnissen in der Kooperationsbeziehung und administrativer Belastungen mit Auswirkungen auf Engagement und Zusammenarbeit. 
  • Entwicklung eines „Bürokratiemonitors“, um Belastungen systematisch zu erfassen. 
  • Erarbeitung von Handlungsempfehlungen für zivilgesellschaftliche und administrative Akteure (ggf. Entwicklung eines Weiterbildungskonzepts) und Vorschläge zur Deregulierung. 
  • Prüfung des Transferpotenzials der Erkenntnisse (u. a. speziell des Bürokratiemonitors) für andere Handlungsfelder der Daseinsvorsorge (z. B. Brandschutz, zivile Sicherheit).

Methodisch basiert das Forschungsvorhaben auf einem sequenziellen Mixed-Methods-Design mit sechs bis acht bundesweiten Fallstudien.
Für die Fallstudien werden u. a. Dokumentenanalysen und qualitative Interviews durchgeführt (Teilprojekt 1). Deren Befunde sind die Grundlage für eine bundesweite Befragung. Alle Forschungsergebnisse dienen der Entwicklung eines Bürokratiemonitors (Teilprojekt 2). Dabei werden die beteiligten Akteure eng in den Forschungsprozess einbezogen. So sind ergänzend Expertenrunden mit Vertreter:innen aus Zivilgesellschaft und Kommunen geplant zu den Themen: Entwicklung des Forschungsdesigns, Diskussion zentraler Befunde und Praxistransfer. Das Projekt setzt auf eine enge Vernetzung mit der Praxis: Öffentlichkeitsarbeit (z. B. Podcasts) und Praxisaustausch (z. B. Verbreitung des Projekts bei wissenschaftlichen und praxisorientierten Veranstaltungen) werden zentrale Elemente bilden. Das Projektteam wird aus sechs Personen bestehen: Neben der wissenschaftlichen Leitung (Andrea Walter und Markus Seyfried) sieht das Projektvorhaben zwei wissenschaftliche Mitarbeitende sowie zwei wissenschaftliche Hilfskräfte vor.