PEP Praxisnahe Elektronische Prüfungen
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Forscher/in
Die Digitalisierung eröffnet dem Hochschulsektor neue Gestaltungsräume: Es gilt Hochschullehre durch Digitalisierung zu stärken und zukunftsfähig weiterzuentwickeln.
Zukunftsfähige Lehre beginnt mit zukunftsfähigen Prüfungen. Das Forschungsprojekt PEP (Praxisnahe Elektronische Prüfungen) nimmt deshalb den Prüfungsbereich in den Fokus und stellt die Frage, welche Möglichkeiten sich ergeben, wenn Prüfungen unter Berücksichtigung digitaler Potenziale neu gedacht und gestaltet werden.
Zur Bearbeitung dieser Forschungsfrage wird PEP von der Stiftung Innovation in der Hochschullehre (StIL) gefördert und ist eins von zwei Drittmittelprojekten an Hochschulen des öffentlichen Dienstes, deren Forschungsvorhaben im Rahmen der Förderrichtlinie „Hochschullehre durch Digitalisierung stärken“ durch die StIL als förderwürdig anerkannt worden sind.
E-Klausuren am digitalen Prüfungsschreibtisch
Papier- und Aktenstapel waren gestern – in der Arbeitswelt 4.0 wird im digitalen Raum kollaborativ gearbeitet. Lässt sich das Konzept einer gemeinsam nutzbaren digitalen Arbeitsumgebung auch für E-Klausuren umsetzen?
Traditionell werden textintensive Präsenzprüfungen, wie juristische Gutachtenklausuren, mit Papier und Stift geschrieben. Zu Projektbeginn hat PEP zunächst das an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen entwickelte Prüfungsprogramm Dynexite genutzt, um digitale Pilotprüfungen durchzuführen und hierfür deren externen Serverumgebung verwendet. Im weiteren Projektverlauf hat PEP technologisch aber auf die von vielen Hochschulen genutzte Open-Source-Plattform ILIAS gesetzt, die mit dem Plug-In EDUTIEK als digitale Prüfungsumgebung genutzt werden kann.
EDUTIEK gehört zu einer neuen Generation von speziell für textintensive Klausuren entwickelten technischen Lösungen, die es Prüfungserstellern, Studierenden, Korrektoren und der Verwaltung ermöglichen, in einer digitalen Arbeitsumgebung zusammenzuarbeiten. Mit EDUTIEK funktioniert ILIAS wie ein digitaler Prüfungsschreibtisch: Da ein Austausch von Dateien per E-Mail oder Download-Upload entfällt, können Studierende ihre E-Klausuren unmittelbar online verfassen, Korrektoren greifen ohne Umwege auf die Prüfungen zu und die Verwaltung hat jederzeit Zugriff auf den aktuellen Prüfungsstand.
PEP hat das an der Westfälischen Wilhelmsuniversität entwickelte Plug-In EDUTIEK schon in der Entwicklungsphase als Teil der erweiterten Nutzergruppe mit Featurevorschlägen unterstützt und auch den dortigen Server genutzt, um Pilotprüfungen mit Studierenden der Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung NRW (HSPV NRW) abzuwickeln.
Prüfungsinfrastruktur für E-Klausuren
Mit der Entscheidung, Prüfungen als E-Klausuren durchzuführen, ist immer auch die Frage nach einer entsprechenden räumlichen und technischen Prüfungsinfrastruktur verbunden.
PEP hat im Projektverlauf unterschiedliche Prüfungsszenarien mit EDUTIEK getestet und Studierenden der HSPV NRW die Nutzung von EDUTIEK ermöglicht. Pilotprüfungen wurden sowohl als semesterbegleitende formative Prüfungen als auch als summative Probeklausuren durchgeführt. Die E-Klausuren wurden in Präsenz an der HSPV sowohl unter Bring-Your-Own-Device-Bedingungen (BYOD) als auch mit hochschuleigenen Rechnern erprobt.
Mit diesen Erfahrungen hat PEP die Frage in den Blick genommen, wie sich E-Klausuren auch für Prüfungsgruppen mit mehreren Hundert Studierenden in Präsenz umsetzen lassen und schlägt hier ein „Sharing-Modell“ als Lösungsansatz vor. Kern dieses Ansatzes ist eine Zusammenarbeit mehrerer Institutionen, bei der eine Institution (Prüfungsinfrastruktur-Provider) der anderen (Prüfungsinfrastruktur-User) die Nutzung einer vorhandenen Prüfungsinfrastruktur ermöglicht. Das „Sharing-Modell“ knüpft an dem Umstand an, dass einige Hochschulen die räumlichen, technischen und personellen Ressourcen haben, um große Studierendengruppen in Präsenz zu prüfen, viele Bildungsinstitutionen aber derzeit nicht über derartige Prüfungsinfrastruktur verfügen.
Die Vorteile der von PEP vorgeschlagene Anwendung eines „Sharing-Modells“ auf den Prüfungsbereich liegen auf der Hand: Durch die gemeinsame Nutzung von Prüfungsinfrastruktur können mehrere Institutionen Personal, Räume und Technik teilen, damit relevante Ressourcen sparen und so eine nachhaltige Prüfungsdurchführung sicherstellen.
Im weiteren Projektverlauf hat PEP ein solches „Sharing-Modell“ als Prüfungsinfrastruktur-User in die Praxis umgesetzt und Pilotprüfungen gemeinsam mit einer anderen Hochschule als Prüfungsinfrastruktur-Provider durchgeführt: So haben 150 Studierende aus unterschiedlichen Studiengängen der HSPV NRW im Frühjahr 2025 digitale Pilotprüfungen an der Universität zu Köln geschrieben. Die Pilotprüfungen fanden in Präsenz im Elektronischen Prüfungscenter der Universität zu Köln statt.
Zukunftskompetenzen durch E-Prüfungen entwickeln?
Die Digitalisierung des öffentlichen Sektors stellt neue Anforderungen an zukünftige Fach- und Führungskräfte. Wie können Hochschulen Studierende frühzeitig auf eine digitalisierte Arbeitswelt vorbereiten?
Digitale Prüfungsformate sind nach PEP eine Möglichkeit, auf diese Herausforderung zu reagieren: Studierende, die fachliche Texte wie beispielsweise Rechtsgutachten im Rahmen digitaler Prüfungen erstellen, beweisen nicht nur fachliche Expertise, sondern zeigen auch Digitalkompetenz. So werden Fachwissen und digitale Anwendungskompetenz praxisnah verknüpft.
Auch der Gesetzgeber hat diese Entwicklung erkannt: In NRW haben angehende JuristInnen seit dem 1. Januar 2024 die Möglichkeit, E-Klausuren im ersten und zweiten juristischen Staatsexamen zu schreiben. Vor diesem Hintergrund wird deutlich: E-Klausuren werden als ein Instrument zur zukunftsfähigen Ausgestaltung von Prüfungen eingesetzt. Die notwendige technische Infrastruktur wird in NRW durch einen externen IT-Dienstleister bereitgestellt, der die Prüfungsräume mit der entsprechenden Hardware ausstattet und eine spezielle Prüfungssoftware zur Verfügung stellt, mit der textintensive Juraklausuren durchgeführt werden können. In anderen Bundesländern werden ähnliche Modelle erprobt. Allerdings sind dort teilweise andere IT-Anbieter tätig, der wiederum andere Prüfungssoftware einsetzt
Das von PEP vorgestellte „Sharing-Konzept“ bietet ein kostenschonenderes Modell, welches Hochschulen bei Verwendung von Open-Source-Prüfungsprogrammen wie EDUTIEK zudem maximale digitale Souveränität bieten kann und ihnen so die Möglichkeit gibt, mit dem Einsatz von E-Prüfungen die Digitalkompetenz von Studierenden zu stärken.
News
- PEPige E-Prüfungen: E-Klausuren mit EDUTIEK
- Folge 10 des Podcasts „Taverna Elektra“ zum Projekt „Praxisnahe Elektronische Prüfungen“ (PEP)
- Prüfungen neu gedacht: Studium an der HSPV, E-Prüfung an der Uni
- Projektverlängerung: Drittmittelprojekt PEP auf Erfolgskurs
- Legal Hackathon Köln: Erfolgreiche Beteiligung der HSPV NRW
- Zwei Tage geballtes Wissen: HSPV NRW goes ILIAS-Konferenz
- Forschungsprojekte bewilligt: Neuer Rekord im Bereich Drittmittelforschung
- Erfahrungsbericht EDUTIEK
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